Gethsemane
Endzeitprophetie
Geschrieben von R. Grubenmann am 26. Juli 2007 23:11:
Als Antwort auf: Gedenken an die Nacht geschrieben von R. Grubenmann am 25. Juli 2007 20:17:55:
Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier und wachet mit mir. Und er ging ein wenig vorwärts, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst.
(Matth. 26, 38-39)
Gethsemane - dieses Wort hat für den Christen einen ganz besonderen Klang, einen tiefschmerzlichen und doch zugleich auch einen erhebenden: einen tiefschmerzlichen, denn was war wohl die allerdunkelste Stunde in dem Leben unseres Erlösers, als er dort im nächtlichen Dunkel den letzten Entscheidungskampf kämpfte, als er das ganze schreckliche Geschick seines Leidens und Sterbens in nächster Nähe vor sich sah, als er sich so trostlos und verlassen fühlte, daß er sich gewissermaßen auf seine armen, schwachen Jünger stützen mußte, da er zu ihnen sprach: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, wachet mit mir, dieweil ich dorthin gehe und bete. Und doch auch etwas Tröstliches, etwas Erhebendes liegt im Namen Gethsemane; denn hindurchgedrungen ist er durch die Nacht zum Licht, durch den Kampf zum Sieg. Gethsemane, das seine größte Schwäche, seinen tiefsten Schmerz gesehen hat, das hat auch seinen glorreichsten Sieg geschaut und zeigt so auch uns den Weg, wie unser armes Herz durch Nacht zum Licht, durch Kampf zum Sieg gelangen kann.Und wie einfach, wie menschlich ist dieser Weg. Was tut dort Jesus in der Stunde der tiefsten Beängstigung? - er betet, er betet wiederholt und immer dringender, er betet zu dem Gott und Vater, der seines ganzen Lebens Kraft und Freude gewesen ist; zu dem nimmt er seine Zuflucht auch in der schwersten Stunde seines Lebens: Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. O, so betet nicht ein Gott, so betet nicht einer, dem das Leiden gewissermaßen nur zum Scheine auferlegt wäre, der dieses Leiden nicht empfände, weil es gleichsam abprallen mußte von seiner göttlichen Natur; nein, so betet ja nur ein Mensch, ein tiefbewegter, von Schmerz gebeugter Mensch; aber so betet zugleich nur ein frommer Mensch, ein gottseliger Mensch, ein solcher, der in seinem Leben nichts anderes kennt, als eine Gabe Gottes, die er ganz und gar im Dienst und nach dem Willen Gottes gebrauchen darf; ein solcher, der darum auch in der allerschwersten Heimsuchung doch nichts anderes als den Willen des Vaters will und den eigenen Willen gehorsam in den des Vaters legt. So betet unser Herr und Meister dort in Gethsemane, und in diesem Gebete liegt auch schon die Bürgschaft seiner Erhebung, seines Sieges; in diesem Gebete findet er seinen Gott und Vater wieder und damit auch die Kraft, alles zu tragen, alles zu dulden und zu überwinden. Da findet er jene Kraft, mit welcher er, wie von einem Engel gestärkt, hintritt zu seinen schlafenden Jüngern und sie mit dem Rufe aufweckt: Stehet auf, lasset uns gehen, sehet, er ist da, der mich verrät.
Ja, so hast du gekämpft und gesiegt, du Anfänger und Vollender unseres Glaubens, und so hast du auch uns den Weg gezeigt, auf welchem wir durch den Kampf zum Sieg gelangen werden. Ach, sie werden ja auch uns nicht ausbleiben, die dunklen Gethsemanestunden, die Stunden schwerer Entscheidung, bitterer Entsagung; die Stunden, da ein sehnlicher Wunsch, eine langgehegte Hoffnung vor uns in Dunst zerrinnen; die Stunden, da das Erdenglück, vom Sturm des Schicksals ereilt, in Trümmer sinkt; die bangen und schweren Tage und Nächte an Kranken- und Sterbebetten, die Zeit, da wir die eigene Kraft zusammenbrechen und unser letztes Geschick immer näher an uns herantreten sehen. Sie werden auch uns nicht ausbleiben, die dunklen Stunden, die schlaflosen Nächte, da äußerer Schmerz oder tiefe Herzensbekümmernis uns die Ruhe nicht finden lassen, da wir uns von Gott und den Menschen verlassen glauben. Nun, dann denke an Gethsemane, dann denke an den nächtlichen Beter dort; zwar, du kannst und darfst es auch den Menschen sagen und sie bitten, daß sie mit dir wachen, mit dir beten möchten, wie auch der Herr es seinen Jüngern gesagt hat; aber von Menschen darfst du doch nicht zu viel erwarten, denn sie empfinden und verstehen deinen Schmerz doch nie so, wie du selber ihn verstehst und empfindest, auch haben sie oft so genug mit der eigenen Schwäche, mit dem eigenen Schmerze zu tun und sind daher selber der Teilnahme und des Trostes bedürftig. Nein, die Hauptsache, die mußt du doch selber durchmachen, tragen und überwinden, aber du hast dazu einen so mächtigen, ewigen Helfer, suche ihn, wie ihn Jesus gesucht hat, bete zu deinem himmlischen Vater, rede mit ihm, wie das Kind mit dem Vater redet, klage ihm dein Leid, schütte dein ganzes Herz vor ihm aus; aber vergiß gleichwohl nicht, daß es der Vater ist, der Vater, der besser weiß als das Kind, was diesem frommt, der Vater, der seinem Kinde manchmal den sehnlichsten Wunsch versagen kann, ja muß, und darum, wie sehnlich du auch etwas wünschen mögest, wie inständig du es deinem Vater an's Herz legen mögest, vergiß nicht: nicht du, er allein hat zu entscheiden und er, er wird recht, er wird wie ein Vater entscheiden. Darum lege dann doch wieder dein Leben und auch die teuersten Güter dieses Lebens in die Hand des Vaters, lege deinen eigenen Willen in seinen Willen, sprich wie Jesus gesprochen hat: Ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. O nicht das ist der Zweck des wahren Gebetes, daß Gott seinen ewigen Willen nach unserm schwachen menschlichen Willen gestalte, sondern daß wir unsern Willen nach dem seinen gestalten lernen, und ein solches Beten, das wird auch Erhörung finden; ja, es ist kein Zweifel, daß es Erhörung findet. Wir werden zwar unsern Kelch auch trinken müssen, aber der Engel wird kommen und auch uns stärken; Kraft, Mut und Geduld werden uns beseelen. Auch wir werden die Genossen ermuntern können: Stehet auf, laßt uns allem, auch dem Schwersten, mit Gott entgegengehen; auch wir werden überwinden bis zum letzten, siegreichen: Es ist vollbracht!
Mag Dunkel auch den Pfad bedecken,
Den Gottes Rat für mich erseh'n:
Ich will ihn furchtlos, ohne Schrecken
Voll festen Gottvertrauens geh'n.
Gott ist es, der des Lebens Tage,
Der Lust und Leid mir zugezählt;
Er höret meine stille Klage
Und kennt den Kummer, der mich quält.Mein Schicksal ruht in seinen Händen;
Leicht kann er, wenn es ihm gefällt,
Den Strahl des Lichtes wieder senden,
Der meiner Wallfahrt Nacht erhellt:
Doch, ob es Nacht auch um mich bliebe,
Nicht murre wider Gott, mein Herz!
Ich weiß, Gott ist ein Gott der Liebe,
Und mir zum Heile dient mein Schmerz.Hinauf zum Kreuze will ich schauen,
An dem der Welterlöser litt,
Und seh'n, wie er voll Gottvertrauen
Den schweren Kampf des Todes stritt.
Bang seufzte er, von Schmerz zerrissen:
"Laß diesen Kelch vorübergeh'n!
Doch, Herr, du wirst es besser wissen:
Dein Wille, Vater, mag gescheh'n."Geschehen, Vater, mag dein Wille!
So sprech' auch ich ergebungsvoll,
Ob Dunkel auch den Pfad umhülle,
Der mich zum Ziele führen soll.
Ich geh', wohin du rufst, mit Freuden,
Ich bin mir deiner Huld bewußt;
Vergänglich sind der Erde Leiden
Und ewig ist des Himmels Lust!(v. Bobrick.)