Theodor Bovet - Vom Beruf


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von ae am 16. Dezember 2006 13:14:24:







1. PERSÖNLICHER UND ENTPERSÖNLICHTER BERUF
Vor über 60 Jahren geschrieben
von Theodor Bovet

_________________________________________



Die Familie ist die lebendige Zelle der Gemeinschaft. Aber diese Zellen stehen auch untereinander in Verbindung zu einem grösseren Organismus, und Gott beruft jedes einzelne ihrer Glieder zur Gemeinschaft mit dem Ganzen.


Schenken und empfangen

Gemeinschaft bedeutet immer schenken und empfangen; Gott beruft uns nun, jeden nach seiner besondern Gabe dazu. Die besondere Weise des Schenkens und Empfangens, zu der Gott uns berufen hat, das ist eben unser Beruf.

Es ist von grundlegender Wichtigkeit, den Beruf von dieser ursprünglichen Seite her zu verstehen: als Gottes Berufung zur Gemeinschaft durch schenken und empfangen. Wir haben ein natürliches Bedürfnis, unsere Gaben weiter zu verschenken, sei es von unserer Körperkraft, von unserer Intelligenz, von irgendeinem Talent, von einer besondern Befähigung oder Kenntnis; das ist die Freude jedes Kindes. Und wir nehmen das entsprechende Geschenk des Andern ebenso selbstverständlich an. So verstanden ist der Beruf der ursprünglichste Ausdruck menschlicher Gemeinschaft und Solidarität.

In dieser reinen Form kennen wir heute höchstens noch den Künstlerberuf. Wurden schon die Beziehungen innerhalb der Familie, das Verhältnis von Mann und Frau, von Eltern und Kindern, egoistisch verbogen, indem man den Andern nicht um seiner selbst willen liebte, sondern wegen gewisser uns nützlicher Eigenschaften, so ist diese Verbiegung der Beziehungen in der Berufsgemeinschaft geradezu katastrophal. Ja hier ist die Nützlichkeitsbetrachtung bereits so selbstverständlich geworden, dass wir uns kaum mehr bewusst sind, dass es eigentlich anders sein könnte. Statt des freien Schenkens und Empfangens herrschen die strengen und messbaren Begriffe Arbeit und Lohn.


Arbeit als Ware

Die Arbeitskraft ist eine Ware geworden, die der Unternehmer möglichst billig zu kaufen suchte. Die Person, die die Arbeit leistet, ist ihm völlig gleichgültig, ja er wird sie durch eine Maschine ersetzen, wenn die Maschine mehr und billiger arbeitet als der Mensch. Die Idee, dass die Arbeit ein persönliches Geschenk des Arbeiters an die Gemeinschaft ist, klingt beinahe lächerlich. Aber auch der Arbeiter hat sich dieser Auffassung völlig entfremdet; sondern für ihn ist der Beruf das Mittel, einen möglichst hohen Lohn zu beziehen. Statt "den Beruf ausüben", ist der Ausdruck weitverbreitet, "dem Verdienst nachgehen". Wohl gibt es - Gott sei Dank! - Arbeitgeber, denen das persönliche Wohl ihrer Arbeiter wichtig ist, ja die vielleicht sogar in der jetzigen Krise ihr Unternehmen unter Verlust nur deshalb weitergeführt haben, um ihre Arbeiter zu erhalten. Ebenso gibt es Arbeiter, denen ihr Beruf als solcher lieb ist und die lieber mit einer anspruchsvollen und interessanten Arbeit weniger verdienen, als bei einer maschinenmässigen Serienarbeit. Aber solche Leute sind auf beiden Seiten nicht sehr häufig, und sie galten in der jetzt zu Ende gehenden Wirtschaftsform als unzeitgemäss.


Entmenschlichte Wirtschaft

Wir standen bis heute im Zeichen der entmenschlichten Wirtschaft: Unpersönliche Faktoren, Arbeit, Kapital, Maschinen, überschwemmen die Welt mit Waren, nicht um ihr zu dienen, sondern um sich zu bereichern. Aus diesem Grunde musste denn auch der Kaufhunger der Welt durch eine riesige Reklame immer wieder künstlich angefacht und überreizt werden. Die eigentliche Leitung der Weltwirtschaft unterstand aber merkwürdigerweise nicht den Produzenten und auch nicht den Konsumenten, sondern persönlich unbeteiligten Geldleihern, die sich weder um die Arbeiter noch um die Unternehmer, noch um die Käufer noch um die Ware selbst kümmern, sondern einzig um die Rendite ihrer Geldanlage. Kein Wunder, dass da von Zeit zu Zeit eine Krise ausbrechen musste, die in völlig sinnloser Weise Millionen arbeitslos machte, anderswo Hunderttausende Hungers sterben liess, während gleichzeitig im andern Kontinent Lokomotiven mit Getreide geheizt werden mussten. Für diesen Unsinn wurden bald die Kapitalisten, bald die Kommunisten, bald die Amerikaner und bald die Juden verantwortlich gemacht; verantwortlich sind wir letzten Endes alle, sofern wir den eigentlichen Sinn des Berufs verloren haben, sofern wir nur um des Lohnes willen arbeiten, statt um die Gemeinschaft zu beschenken, und um unserer Bereicherung willen die Arbeit Anderer ausnützen, statt sie für die Gemeinschaft zu empfangen. Aber auch vermeintliche Christen haben vom "Fluch der Arbeit" gesprochen und damit das Interessse vom Beruf weg auf den Lohn gerichtet.

Wir stehen unzweifelhaft an der Schwelle einer neuen Zeit, deren ein Hauptmerkmal eine neue Einstellung zum Beruf sein wird. Es ist deshalb gerade heute besonders wichtig, über den göttlichen Sinn des Berufs nachzudenken und uns dafür tätig einzusetzen.











Antworten:


  Endzeitprophetie