Offenbarungen der heiligen Brigitta ......Capitel LIII


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von AndreRademacher am 15. Dezember 2006 09:37:55:

Capitel LIII.

Worte der Benedeiung und des Lobes der Mutter und des Sohnes unter einander, und wie die Jungfrau unter der Lade verstanden wird, worin der Stab, das Manna und die Tafeln des Gesetzes befindlich waren, in welchem Bilde viele wunderbare Dinge begriffen sind.


Maria sprach zu ihrem Sohne:
Gebenedeit seist du, mein Sohn und mein Gott und Herr der Engel! Du bist der, dessen Stimme die Propheten gehört, dessen Leib die Apostel gesehen, den die Juden und deine Freunde empfunden haben. Du bist mit der Gottheit und Menschheit und dem heiligen Geiste ein Gott. Den Geist hörten die Propheten, die Herrlichkeit der Gottheit erblickten die Apostel, deine Menschheit kreuzigten die Juden. Deßhalb sei gebenedeit, du ohne Anfang und Ende.

Der Sohn entgegnete:
Gebenedeit seist du, weil du Jungfrau bist und Mutter! Du bist jene Lade, welche unter dem Gesetze bestand, worin drei Dinge befindlich waren: Der Stab, das Manna und die Gesetztafeln.

Mit dem Stabe ist Dreierlei geschehen. Zuerst ward derselbe in eine Schlange verwandelt, die ohne Gift war. Zweitens ward durch denselben das Manna getheilt; drittens schlug er Wasser aus dem Felsen.
Ich bin jener Stab figürlich, der ich in deinem Leibe lag und von dir die Menschheit empfing.
Ich bin zuerst wie die Schlange Mosis meinen Feinden schrecklich. Denn sie fliehen vor mir, wie vor dem Anblicke der Schlange. Sie erschrecken vor mir und verabscheuen mich wie eine Schlange, während ich doch ohne Gift oder Bosheit jeglichen Erbarmens voll bin. Ich lasse mich von ihnen halten, wenn sie wollen. Ich will zu ihnen zurückkehren, wenn sie mich suchen. Ich laufe ihnen nach wie eine Mutter einem verlornen und demnächst wiedergefundenen Sohne, wenn sie nach mir rufen. Dieß thue ich ihnen, und gleichwohl verabscheuen sie mich wie eine Schlange.
Zweitens ist durch jenen Stab das Meer zertheilt worden, als durch mein Blut und meinen Schmerz der Weg zum Himmel, welcher durch die Sünde verschlossen war, sich wieder öffnete. Da zertheilte sich fürwahr das Meer, das Unwegsame ward Weg, als der Schmerz aller meiner Glieder zum Herzen hinaufstieg und das Herz von heftigem Schmerze brach. Nachdem das Volk durch das Meer hindurchgeführt war, führte Moses es nicht sogleich in das Land der Verheißung, sondern in die Wüste, damit es daselbst geprüft und unterwiesen wurde.
So wird auch nun, nachdem es meinen Glauben und mein Gebot empfangen, dieß Volk nicht sogleich in den Himmel eingeführt, sondern es ist nöthig, daß die Menschen in der Wüste, das ist in der Welt, geprüft werden, wie sie Gott lieben.
Aber durch Dreierlei hat das Volk Gott in der Wüste erzürnt. Zuerst weil es sich ein Götzenbild machte und dasselbe anbetete; zweitens, weil es nach dem Fleische verlangte, das es in Egypten gehabt hatte; drittens durch die Hoffart, weil sie ohne Gottes Willen aufbrechen und mit den Feinden kämpfen wollten.

So sündigt der Mensch in dieser Welt auch noch heute wider mich. Erstens verehrt er ein Götzenbild, weil er die Welt und was darin ist, mehr liebt, als mich, der ich des Menschen Schöpfer bin. Die Welt ist ihr Gott, aber nicht ich.
Ich habe in meinem Evangelio gesagt,: Wo der Schatz eines Menschen ist, da ist sein Herz, so ist des Menschen Schatz die Welt, weil sein Herz nach der Welt sieht, aber nicht nach mir. Wie daher Jene in der Wüste durch das Schwert dem Leibe nach gefallen sind, so werden auch diese in Bezug auf die Seele fallen durch das Schwert der ewigen Verdammniß, in welcher sie unaufhörlich leben werden.
Zweitens sündigten die Israeliten durch das Verlangen nach dem Fleische. Ich habe dem Menschen alles Nothwendige zur Ehrbarkeit und Mäßigkeit gegeben; er will aber Alles haben ohne Maaß und Bescheidenheit. Er möchte, wenn die Natur es vertrüge, ohne Aufhören sich fleischlich vermischen, zügellos trinken und ohne Maaß begehren. So lange er sündigen könnte, würde er niemals ablassen von der Sünde. Deßhalb wird es ihnen wie Jenen in der Wüste ergehen, und sie werden eines jähen Todes sterben.

Was anders ist das Leben dieser Zeit, als ein Augenblick gegen die Ewigkeit? Darum werden sie eines jähen Todes dem Leibe nach sterben, angemessen der Kürze dieses Lebens, und werden, was die Seele betrifft, in endloser Pein leben.

Drittens sündigten sie in der Wüste durch ihre Hoffart, weil sie ohne den Willen Gottes aufbrechen wollten zum Kampfe. So wollen die Menschen vermöge ihrer Hoffart hinaufsteigen zum Himmel, und setzen kein Vertrauen in mich, sondern auf sich, indem sie ihren Willen thun, den meinigen aber bleiben lassen. Wie deßhalb Jene von den Feinden, so werden Diese, was die Seele betrifft, von den Teufeln getödtet werden, und ihre Qual wird ewig sein. So hassen sie mich wie eine Schlange und beten statt meiner ein Götzenbild an; sie streben mehr nach ihrer Begierde, als nach mir, und lieben ihre Hoffart statt meiner Demuth.

Gleichwohl bin ich aber noch so barmherzig, daß, wenn sie sich mit zerknirschtem Herzen zu mir wenden, ich mich wie ein liebreicher Vater zu ihnen kehre und sie aufnehme. —
Erstens gab durch diesen Stab ein harter Fels Wasser. Dieser Fels ist das harte Menschenherz. Denn sobald dasselbe durch meine Furcht und Liebe zerschlagen wird, fließen sogleich die Thränen der Reue und Zerknirschung hervor. Niemand ist so unwürdig, noch so böse, daß nicht, wenn er zu mir kömmt, wenn er mein Leiden mit Inbrunst betrachtet, wenn er meine Macht sich vorstellt, oder meine Güte, wie dieselbe die Erde befruchtet, und wenn er über die Bäume nachsinnt, sein Gesicht von Thränen überströmt würde und alle seine Glieder sich zur Andacht angeregt fühlen müßten. —
Zweitens lag in Mosis Lade das Manna. So lag in dir, meine jungfräuliche Mutter, das Brod der Engel und heiligen Seelen und der Heiligen auf der Erde, denen nichts außer meiner Süßigkeit gefällt, denen die ganze Welt todt ist, welche gar gern, wenn es mein Wille wäre, ohne leibliche Speise sein möchten. —

Drittens befanden sich in der Lade die Gesetzestafeln.
Also lag in dir der Herr aller Gesetze. Deßhalb seist du gebenedeit über Alles, was im Himmel und auf Erden erschaffen worden ist. —


Darauf redete er zur Braut und sprach: Sage meinen Freunden Dreierlei. Als ich leiblich in der Welt wandelte, habe ich meine Worte so eingerichtet, daß die Guten dadurch noch stärker und brünstiger wurden, die Bösen besserten sich; wie an der Magdalena, an Matthäus und vielen Andern sichtbar ward. Sodann habe ich meine Worte ferner also gestellt, daß meine Feinde dieselben nicht zu entkräften vermochten. Deßhalb müssen diejenigen, denen meine Worte gesendet worden, eifrig arbeiten, daß die Guten durch meine Worte eifriger im Guten werden; die Bösen aber müssen vom Bösen zurückkommen und sich hüten vor meinen Feinden, auf daß meinen Worten kein Hindernis entgegengesetzt wird. Ich thue ja dem Teufel kein größeres Unrecht, als den Engeln im Himmel. Denn, wenn ich wollte, konnte ich meine Worte wohl reden, daß die ganze Welt sie hörte. Ich wäre auch mächtig genug, die Hölle zu öffnen, so daß Alle ihre Strafen sehen könnten; allein das wäre nicht Gerechtigkeit, weil der Mensch mir alsdann aus Furcht diente, während er mir doch aus Liebe dienen sollte. Denn Niemand, der die Liebe nicht hat, wird eingehen in's Himmelreich.
Unrecht würde ich auch dem Teufel thun, wenn ich ihm ohne gute Werke Einen hinwegnähme, der sein eigen ist. Auch dem Engel im Himmel würde ich Unrecht thun, wenn ihm, der rein und in der Liebe höchst feurig ist, der Geist eines unreinen Menschen gleichgestellt würde.
Darum wird Niemand eingehen in den Himmel, als wer wie Gold im Fegfeuer geläutert worden, oder in guten Werken durch tägliche Bewährung also in der Welt geübt worden ist, daß an ihm kein Flecken mehr vorhanden ist, von welchem sie gereinigt werden müßten.

Wenn du nicht weißst, an wen meine Worte geschickt werden sollen, so will ich dir's sagen.
Der ist werth, meine Worte zu haben, der durch Werke in das Himmelreich zu kommen verdienen will, oder welcher dasselbe durch voraufgegangene Werke schon verdient hatte. Diesen sollen meine Worte offenbar werden und zu diesen sollen sie eingehen. Denn diejenigen, welche an meinen Worten Geschmack finden, und welche demüthig darauf hoffen, ihren Namen im Buche des Lebens eingetragen zu finden, die halten meine Worte. Diejenigen aber, welche keinen Geschmack daran finden, betrachten zwar die Worte, werfen dieselben jedoch sogleich wieder hinweg und speien sie aus.




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