Als ich eines Tages allein betete, fand ich mich plötzlich umgeben von einer grossen Schar geistiger Wesen, oder, wie ich auch sagen könnte: sobald meine geistigen Augen geöffnet waren, merkte ich, dass ich inmitten einer gewaltigen Schar von Heiligen und Engeln kniete. Zuerst war ich etwas verlegen, als ich sie in ihrem lichten, verklärten Zustande sah und damit meine eigene niedrige Art verglich. Aber ich wurde sogleich wieder ins Gleichgewicht gebracht durch ihr echtes Mitgefühl und ihre liebevolle Freundlichkeit. Ich hatte in meinem Leben schon die Erfahrung von dem Frieden in der Gegenwart Gottes gemacht; aber die Gemeinschaft mit diesen Heiligen schenkte mir noch eine neue, wundervolle Freude. Als wir miteinander sprachen, erhielt ich von ihnen Antwort auf meine Fragen, wodurch sich die Schwierigkeiten lösten, die ich im Hinblick auf viele mich verwirrende Probleme hatte.
Meine erste Frage betraf die Vorgänge im Augenblick des Todes und den Zustand der Seele nach dem Tode. Ich sagte: "Wir wissen, was mit uns geschieht von der Kindheit bis zum Alter; aber wir wissen nicht, was im Augenblick des Todes vor sich geht, noch was jenseits der Tore des Todes ist. Genaue Aufklärung können wir nur von denen erhalten, die jenseits des Todes sind, die eingegangen sind in die geistige Welt." "Könnt ihr", fragte ich, "uns darüber irgendwelche Aufklärung geben?"
Darauf antwortete einer der Heiligen: "Der Tod gleicht dem Schlafe. Man hat keine Schmerzen beim Übergang, höchstens im Falle einiger körperlicher Beschwerden und besonderer geistiger Vorbedingungen. Wie ein erschöpfter Mensch vom tiefen Schlaf überfallen wird, so kommt der Schlaf des Todes über den Menschen. Über viele kommt der Tod so plötzlich, dass sie sich nur sehr schwer klarmachen können, die materielle Welt verlassen zu haben und in die Welt der Geister eingetreten zu sein. Verwirrt durch die vielen neuen und schönen Dinge, die sie rings um sich sehen, glauben sie, eine Gegend oder Stadt der physischen Welt zu besuchen, die sie nie vorher gesehen haben. Erst wenn sie genauer belehrt worden sind und sich klarmachen, dass ihr Geistleib verschieden ist von dem früheren materiellen Leib, erkennen sie, dass sie wirklich aus der materiellen Welt in das Reich der Geister versetzt worden sind."
Ein anderer von den Heiligen, der anwesend war, gab auf meine Frage folgende, weitere Antwort: "Gewöhnlich verliert der Leib im Augenblick des Todes ganz allmählich die Fähigkeit der Empfindung. Er hat keine Schmerzen, es überkommt ihn lediglich ein Gefühl von Schläfrigkeit. Manchmal, zumal bei grosser Schwäche oder bei einem Unfall, entweicht der Geist, während der Körper bewusstlos ist. In diesem Fall ist der Geist von solchen, die gelebt haben, ohne an das Eingehen in die geistige Welt zu denken und sich darauf vorzubereiten, durch diesen plötzlichen Übergang in die Welt äusserst verwirrt und in grosser Trauer über sein Schicksal. So müssen sie denn für eine ziemlich lange Zeit auf den niedrigeren und dunkleren Stufen des Zwischenzustandes bleiben. Die Geister dieser niedrigeren Sphären beunruhigen oft sehr die Menschen in der Welt. Aber sie können nur denen Übles zufügen, die ihrem Wesen ähnlich sind und ihnen freiwillig ihre Herzen öffnen, um sie aufzunehmen. Diese bösen Geister würden im Verein mit anderen bösen Geistern in der Welt ungeheuren Schaden anrichten, hätte Gott nicht unzählige Engel überall verordnet zum Schutze Seines Volkes und Seiner Schöpfung, so dass die Seinen überall in seiner Hut geborgen sind. Die bösen Geister können nur denen in der Welt schaden, die ihnen in ihrem Wesen gleich sind, und sie können es nur in begrenztem Masse tun. Sie können allerdings auch die Gerechten beunruhigen, aber nicht ohne Gottes Zulassung. Gott gibt manchmal Satan und seinen Engeln die Erlaubnis, die Seinen zu versuchen und zu verfolgen, auf dass sie aus der Versuchung stärker und besser hervorgehen, wie er ja auch Satan erlaubte, Seinen Diener Hiob zu verfolgen. Aus einer solchen Versuchung entsteht jedoch für die Gläubigen eher ein Gewinn als ein Verlust."
Ein anderer Heiliger, der dabeistand, fügte als Antwort auf meine Frage hinzu: "Viele, welche ihr Leben nicht Gott geweiht haben, scheinen, wenn es zum Sterben geht, bewusstlos zu werden; tatsächlich aber werden sie, wenn sie die scheusslichen und teuflischen Gesichter der sie umgebenden bösen Geister sehen, sprachlos und wie gelähmt vor Furcht. Das Sterben eines Gläubigen hingegen ist oft das genaue Gegenteil hiervon. Er ist oft ganz ausserordentlich glücklich, denn er schaut Engel und geheiligte Geister, die ihn willkommen heissen. Dann dürfen auch seine Lieben, die vor ihm gestorben sind, an seinem Sterbebett weilen und seine Seele in die geistige Welt einführen. Und wenn er dann in die Welt der Geister eintritt, so fühlt er sich sofort heimisch; denn es umgeben ihn ja nicht nur seine Freunde, sondern er hatte sich schon in der Welt lange auf diese Heimat vorbereitet, und zwar durch sein Vertrauen auf Gott und seinen
Umgang mit Ihm."
Darauf sagte ein vierter Heiliger: "Es ist die Aufgabe der Engel, die Seelen der Menschen aus der Welt hinauszugeleiten. Gewöhnlich enthüllt sich Christus selbst in Seiner Glorie einem jeden in der geistigen Welt, und zwar in einer hinsichtlich der Stärke abgestuften Weise, je nach dem Grad der geistigen Entwicklung, den eine Seele erreicht hat. Aber bisweilen kommt er selber an das Lager eines Sterbenden und heisst Seinen Diener willkommen, trocknet ihm voll Liebe seine Tränen und führt ihn ins Paradies. Wie ein Kind, das in die Welt hineingeboren wird, für seine Bedürfnisse alles vorfindet, so findet auch die Seele, wenn sie in die geistige Welt eintritt, alle ihre Bedürfnisse befriedigt."