Gestern (bis heute MEZ): Kongresswahlen in den USA
Endzeitprophetie
Geschrieben von Eliopa am 08. November 2006 15:01:46:
Als Antwort auf: 8 Protsemp-Bräzel geschrieben von Eliopa am 29. Oktober 2006 18:20:04:
"MEZ" = http://de.wikipedia.org/wiki/Mitteleurop%C3%A4ische_Zeit
http://www.welt.de/data/2006/11/07/1102738.html
(Artikel erschienen am 08.11.2006)US-Wahlkampf
Contra: Schmutzig, aber im Grunde normal
Von Torsten KrauelWashington - Schmutzigster US-Wahlkampf aller Zeiten? Nun mal halblang. Zugegeben, schmutzig war er ja. Der Senatskandidat der Demokraten in Tennessee war 2005 zur Party des "Playboy" beim Football-Endspiel geladen, mit 3000 Gästen. In einem Republikaner-TV-Spot sagte eine Frauenstimme: "Was ist das für ein Mann, der mit Playboy-Playmates in Reizwäsche feiert und politische Werbung in einer Kirche dreht?" Eine Frechheit.
Oder: Ein Staatsanwalt, Demokraten-Kandidat, ließ einen Mitarbeiter seine Behörde anrufen, Ortsvorwahl 518. Der Assistent wählte 800, denn Behörden sind so mit gleicher Nummer kostenfrei erreichbar. In diesem Fall aber nicht, das war eine Sexleitung. Der Fehlanruf dauerte nur Sekunden, gefolgt von der 518er-Nummer. Die Republikaner machten daraus einen Werbespot: Demokrat liebt Telefonsex.
Die Demokraten zahlten nicht in so stumpfer Münze. Sie gründeten zur Ausforschung der Republikaner die "Bürger für Verantwortung und Ethik in Washington". Das war ein Anwalts-Braintrust, der pünktlich zur Wahl echte Republikaner-Skandale gerichtsfest aufdeckte und Material für effektvolle TV-Spots lieferte - Abramoff, Foley, Cunningham, Weldon. Die Republikaner wurden kalt erwischt. Häme und Hysterie konnte die Opposition anderen überlassen. Kolumnisten, die den Eindruck verbreiteten, Bush fresse kleine Kinder. Karikaturisten, die suggerierten, Rumsfeld genieße das Foltern. Die giftige Formel "Bush, der schlimmste Präsident der US-Geschichte?" prägte ein Historiker, der zufällig auch mit Clinton persönlich befreundet ist. Für die Demokraten selber galt: Die Umgangsform wahren, und vergessen machen. Die Mehrzahl ihrer Senatsmitglieder stimmte für den Irak-Krieg? Reden wir lieber über den Sex-Fall Foley. Oder Foley selber: Der Abgeordnete sandte Sexmails an Kongress-Praktikanten, hatte aber keinen Sex mit ihnen. Ein Demokrat 1983 hingegen durchaus. Der wurde nicht wie Foley gefeuert, sondern ehrenvoll befördert. (Reden wir lieber über den Fall Abramoff.)
Soll man sich darüber aufregen? Wahlkampf in den USA ist nichts für Philosophen. Es geht um die Macht in der Supermacht, um sie wird mit harten Bandagen gekämpft. Im US-Parlament wie im Alltag herrscht ein höflicher Ton; im Wahlkampf toben Politiker ihre Aggressionen aus. 1942 rief Roosevelt: Wer die Opposition wählt, hilft Hitler. Als Kennedy 1960 zurücklag, ging er in West Virginia mafiamäßig vor. Kuriere lieferten nachts Geldsäcke, über die ein Beteiligter sagt: "Niemand wird je wissen, woher das Geld kam. Nie!" Gegnern wurde gedroht: Die Arbeit zu verlieren gehe blitzschnell. Oder Bushs Vater: Als 1987 ein in Connecticut verurteilter Mörder beim Freigang eine Familie überfiel, schaltete George H.W. Bush brutale TV-Spots. Sein Gegner hatte in dem Bundesstaat dafür votiert, Freigang auch für Mörder einzuführen. Bushs Manager bereute die Spots auf dem Totenbett. 2002 zweifelten Republikaner den Patriotismus des dreifach Kriegsamputierten Senators Max Cleland an, weil er gegen Bushs Gesetze gestimmt hatte.
Miesester Wahlkampf aller Zeiten? Es gab schlimmere. Im Übrigen hat Präsident Truman immer noch Recht: Wer Hitze nicht aushält, soll der Küche fernbleiben.
- Was soll denn die "8" nur bedeuten? Epidophekles 09.11.2006 07:35 (1)
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