Fortsetzung: Contra Abtreibung - Traumatisierung
Endzeitprophetie
Geschrieben von (HvBingen) am 17. Oktober 2006 06:13:
Als Antwort auf: Contra Abtreibung - Traumatisierung geschrieben von HvBingen am 16. Oktober 2006 13:23:
Die Leib-Seele Einheit bei Hildegard von Bingen
(Fortsetzung)
Fallbeispiel einer Familie
Ich möchte Ihnen nun an einem Fallbeispiel zeigen, wie sich das PAS entwickelt und welche Symptome typisch sind. Dieses Krankheitsbild ist sehr gut geeignet, Hildegards Beschreibung von der gemeinsamen Erkrankung von Körper, Geist und Seele zu verdeutlichen. Ich werde den Zustand der Dürre beschreiben, wie ihn die hl. Hildegard nennen würde, in welchen der Mensch gerät, wenn er sich durch sein Tun oder Lassen von der grünen Lebenskraft der göttlichen Gnade entfernt hat, in diesem Falle durch die Tötung eines ungeborenen Kindes.
Die Patientin war zum Zeitpunkt der Abtreibung 35 Jahre alt und seit 15 Jahren verheiratet. Sie erwartete ihr erstes Kind. Wenn man in die Vorgeschichte schaut, sind einige Faktoren von Bedeutung, um die psychische Situation zu verstehen. Die Beziehung des Paares hatte symbiotische Anteile, das heißt, es bestand eine Form der Abhängigkeit im übertriebenen Sinne voneinander, was mit der je eigenen Familiengeschichte der Partner zu tun hatte. Man hatte Jahre der gemeinsamen Freizeitgestaltung und vieler Reisen verbracht, als die Frau Anfang dreißig zunehmend den Wunsch nach einem Kind verspürte. Da sie hormonell verhütete, war für ein Kind weder gedanklich noch lebensplanerisch Raum. Das Paar hatte zwar kirchlich „der Form halber" geheiratet, aber der Gedanke an Gottes Plan und Willen in Bezug auf die Ehe und Kinder als Geschenk Gottes kam nicht in das Bewusstsein. Die Frau war in einer katholischen Familie herangewachsen, wo die Form mehr galt als das Liebesgebot. Der Mann entstammte einer protestantischen Familie, hatte aber eine eher atheistische Einstellung entwickelt.
Nach Jahren des Zweierdaseins kam es nun zu einer Thematisierung des Kinderwunsches. Nach langen Diskussionen wurde die Form der Verhütung gewechselt, dann einige Monate ausgelassen. Als es zur Schwangerschaft kam, waren sowohl die Frau als auch ihr Mann nach 15 Jahren Ehe unter den beschriebenen Paradigmen emotional auf ein Kind gar nicht vorbereitet. Die Ehefrau geriet in eine innere Unsicherheit, als sie beim Ausbleiben der Regel keine Freude empfand und beschloss, den Schwangerschaftstest mit einer Beratung zu verbinden, wobei ihr eine Beratung zum Muttersein vorschwebte. An Abtreibung hatte sie nicht gedacht und eine eher ablehnende Haltung dazu gehabt. „Ich habe sogar tote Mäuse beim Spazieren gehen mit einem Blatt zugedeckt", beschrieb sie sich. Am folgenden Montag erfuhr sie per Telefon, dass „Pro Familia" abends eine Beratung durch eine Ärztin anbot, dies schien der Frau geeignet zu sein, ihre Unsicherheiten zu thematisieren. Sie hatte nicht an eine Beratung zum Schwangerschaftsabbruch gedacht. Als der Schwangerschaftstest dann in Anwesenheit des Ehepaares positiv ausfiel, ließ ihm die Ärztin keinen Raum, sich über seine eigenen Gefühle klar zu werden. Sie sprach gleich davon, „dass es ja auch eine andere Lösung gäbe" und „dass manche Frauen erst schwanger werden müssten um zu begreifen, dass sie keine Mutter werden wollten".
Zutiefst verunsichert verließ das Paar die Beratung. Es folgte eine Zeit großer Streitereien und Diskussionen zum Thema Kind. Der Mann tendierte mehr und mehr zur Abtreibung, er wollte nur „Seine Frau von früher wiederhaben"; die Frau fühlte sich in die Enge gedrängt. Man vereinbarte einen Abtreibungstermin, die Frau ging nicht hin. Ein Besuch bei „donum vitae" führte ebenfalls zur weiteren Verunsicherung. „Insgeheim erhoffte ich eine Beratung, die Mut macht zum Kind", sagte die Frau. Stattdessen gab es eine „ergebnisoffene Beratung" und zum Abschied Glasmurmeln für beide Ehepartner als Erinnerung, dass sie einmal in ihrem Leben an ihr ungeborenes Kind gedacht hätten. Die Frau versuchte nach der Lektüre in einem „zufällig" am Tag vor der Abtreibung gefundenen Buch über die Entwicklung des ungeborenen Kindes ihren Mann umzustimmen, sie träumte von einem kleinen Kind mit vor Angst weit geöffneten Augen. Der Mann tat dies als Folge der Beschäftigung mit dem Buch ab.
Sie fuhren zur Abtreibung. In der Abtreibungspraxis, welche sich Tür an Tür mit dem Beratungsbüro von „Pro Familia" befindet, meinte die Abtreibungsärztin zu der Schwangeren, sie sei für eine Abtreibung mit lokaler Betäubung zu verspannt und ob sie denn sicher sei, abtreiben zu wollen. „Kann man da jemals sicher sein?" erwiderte die Frau der Ärztin. Diese Szenen gehen ihr nun wieder und wieder durch den Sinn und besetzen den größten Teil ihrer wachen Stunden und kehren nachts in Alpträumen zurück. Sie erinnert sich, wie die Ärztin 130.- Euro mehr für die Vollnarkose haben wollte und sie zu ihrem wartenden Mann ging. „Warum habe ich da nicht erkannt, was wir tun?", so fragt sie sich heute. Als das Narkosemittel schon anflutete, machte die Abtreibungsärztin einen Ultraschall und die Patientin hörte, ohne reagieren zu können: „Zehnte Schwangerschaftswoche". Es durchfuhr sie: „Oh Gott, dann schlägt das Herz ja schon", was sie am Vortage im Buch gelesen hatte, aber sie konnte nicht mehr reagieren. Als sie aus der Narkose erwachte, fühlte sie eine große Leere in sich, weinte sofort und dachte: „Ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht. Ich habe mein Leben abgeschnitten."
In den nächsten Tagen versank sie in die Dunkelheit ihrer Depression mit dem Gefühl, in einem Käfig eingesperrt zu sein. Der Ehemann fühlte sich zunehmend als Versager, welcher seine Frau und sein ungeborenes Kind nicht schützen konnte. Er geriet in eine Art Erstarrung, den wütenden und hilflosen Angriffen seiner Frau täglich stundenlang ausgesetzt, gequält von den eigenen Schuldgefühlen. Beide dachten unabhängig voneinander an Suizid. Eine weitere Schwangerschaft sollte die Erlösung aus der Spirale von Schuldzuweisungen und Aggressionen bringen. Ein Sohn wurde geboren. Die Patientin kam mit ihrem Ehemann in meine Behandlung, als der kleine Sohn wenige Monate alt war. Der Käfig der Depression hatte sich nicht geöffnet. Ich bat die Patientin bildlich darzustellen, wie es ihr emotional ergeht. Auch der Ehemann fertigte eine Zeichnung an. In diesen Bildern kommt die gegenwärtige emotionale Verfassung der kleinen Familie unter dem Schatten der Erkrankung nach Abtreibung, dem Post Abortion Syndrom, deutlich zum Ausdruck.
(Bild fehlt hier)
Die Patientin hat sich links von der Bildmitte in einem Käfig dargestellt. Es wird deutlich, dass die Frau in dem Käfig weder Hände noch Füße hat. Dies korrespondiert mit dem Erleben der Frau, nicht mehr auf dem Boden des täglichen Geschehens zu stehen, sondern abgehoben und handlungsunfähig zu sein. Sie kreist, wie sie sagt, 90% der wachen Zeit um die Abtreibungsthematik und die Schuldzuweisungen an sich und an ihren Ehemann. Sie ist depressiv gestimmt, sie hat ihren Antrieb verloren. Dies drückt die Patientin bildlich in den fehlenden Händen aus. Sie kann nicht mehr zufassen, nicht mehr ihr Leben gestalten. Der Mund ist traurig herabgezogen, die Augen schauen wie erschrocken. Die Frau steht in einem roten Hintergrund. "Dies ist das Blut meines ungeborenen Kindes, welches ich vergossen habe", so beschreibt die Patientin selbst, was die rote Farbe bedeutet. Das: „Warum, warum haben wir das getan?" kommt in dem Fragezeichen zum Ausdruck, so sagt sie. Sicher hat sie so auch die Frage des Ausgangs aus dem Gefängnis von Schuld und Depression symbolisch dargestellt.
Unter dem Käfig hat die Frau ihren Ehemann gemalt. In einer Sprechblase ruft er seiner Frau „ich liebe Dich" zu, aber seine Worte und ihre Bedeutung kann die Frau nicht annehmen. Im linken Bildteil soll der blaue Weg die gemeinsame Zeit darstellen. Die Sonne links oben, das Paar, darunter die Weltkugel und ein Flugzeug: Erinnerungen an die im Rückblick unbeschwerten Jahre, wo sie ihrer Wunscherfüllung lebten, durch die Welt reisten. Unten links sprechen die lilafarbenen Striche und die dunklen Haken davon, wie etwas Dunkles immer mehr in die Beziehung eindringen konnte. „Wir haben zwar kirchlich geheiratet", so sagt sie, „aber das war nur der Form halber. Wir haben nicht gebetet miteinander. So konnte der Gehörnte zuschlagen", so sagte die Patientin. „Der dunkle, quer verlaufende Pfeil stellt die Abtreibung dar, wo er zugeschlagen hat. Eigentlich träumten wir von einem gemeinsamen Haus mit Garten", so hat es die Patientin im oberen Bildteil gemalt. „Warum haben wir das getan?" Diese Frage quält die Patientin zu jeder wachen Stunde. Sowohl die Patientin als auch ihr Ehemann haben sich auf den Weg in den Glauben gemacht wobei der Ehemann daran denkt, zu konvertieren. Beide haben mehrfach gebeichtet, aber die Versöhnung können sie weder im Glauben von Gott für sich in der Tiefe annehmen, noch sich gegenseitig schenken.
Geburt eines Kindes
Als ihr Sohn geboren wurde hofften beide, sich in dem Kind versöhnen zu können. Das Kind kam nach 30 Stunden Wehen und Geburtsstillstand durch Sectio (Kaiserschnitt) zur Welt. Unter der Geburt in den Wehen quälten die Patientin die Gedanken an ihr durch Abtreibung gestorbenes Kind. Sie konnte sich körperlich nicht für das zweite Kind unter der Geburt öffnen, wie sie es unter dem Eindruck der sich ständig wiederholenden Schuldphantasien seelisch bis heute nicht kann. Hebammen berichten, dass gerade in der Geburtssituation frühere Abtreibungen Thema werden und sie gerne zuvor darüber Bescheid wissen, da mit Komplikationen wie in diesem Falle in einem höheren Prozentsatz zu rechnen ist. Im Bild sehen wir das Kind im Licht strahlend, von Gott (die Hand aus der blauen Wolke) geschenkt, vom Storch getragen. Das Kind erreicht die Mutter im Käfig aber nicht, die Eltern können es nicht wirklich empfangen, da sie blockiert sind in Schuldzuweisungen und Streit.
Die Mutter liebt das Kind und kann sich nicht an ihm freuen, der Vater liebt das Kind und kann seine Freude nicht teilen. Auch das Kind ist außerhalb des Käfigs, auch die Beziehung zum Kind ist von Anfang an überschattet und gestört durch das Fixiert-Sein der Mutter auf die Abtreibungsthematik. So beginnt das post abortion surviver syndrom, die Erkrankung der überlebenden Kinder einer Familie. Oft wissen sie gar nichts von ihrem abgetriebenen Geschwisterkind, ihren abgetriebenen Geschwistern, aber ein Schatten liegt von Anfang an über der Beziehung zwischen Mutter und Kind, zwischen Vater und Kind mit all seinen Folgen für die psychische Gesundheit des geborenen Kindes. Auch das Überbehüten als Folge der Bestrafungsphantasien ist eine typische Post-Abortion Reaktion (Folge nach einer Abtreibung). Der Anfang wird in der Deutung der Mutter sichtbar, ihr Kind sei nach der Geburt als Strafe Gottes erkrankt und ihr stünde so ein gesundes Kind gar nicht zu, als es kurz nach der Geburt für einige Tage in eine Kinderstation verlegt werden musste. Durch Überbehüten wird die natürliche Entwicklung und Expansionskraft des Kindes erneut wie durch einen Käfig blockiert. Im rechten Bildteil sind Paare mit Kindern dargestellt, „ha ha" steht daneben. „Die lachen miteinander, die können sich freuen, die lachen mich aus", so die Patientin. Auch die sozialen Kontakte zu anderen Müttern und Familien sind blockiert durch das Gefangensein in den kreisenden Gedanken. Die Patientin isoliert sich auch, weil die anderen von der Abtreibung nichts wissen sollen, eine typische Vermeidungsreaktion bei scham- und schuldbesetzter Thematik. Die ganze Familie ist isoliert mit den entsprechenden psychosozialen Folgen. Die Blume rechts unten im Bild hat keine Wurzeln. Die Tulpe soll als Frühlingsblume die Lebensfreude symbolisieren, zu welcher die Patientin keinen Zugang mehr hat. Sie kann den Frühling des Lebens ihres geborenen Kindes nicht mit Freude erleben.
(Fortsetzung im nächsten Heft)
- Re: Fortsetzung: Contra Abtreibung - Traumatisierung Jim 18.10.2006 19:23 (6)
- Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei Epidophekles 18.10.2006 22:02 (5)
- Re: Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei Jim 19.10.2006 18:58 (2)
- Re: Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei lumatio 21.10.2006 09:37 (0)
- Re: Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei Frank B. 20.10.2006 20:17 (0)
- Re: Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei lumatio 19.10.2006 09:34 (1)
- Re: Liebefindung zu göttlicher Vollkommenheit macht frei Epidophekles 19.10.2006 10:01 (0)
Endzeitprophetie