Wolken
• Endzeitprophetie
Geschrieben von albamireia am 11. August 2004 10:06:43:
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Luft- und Wolkenschlösser Diesen Sommer habe ich - wen wunderts - die Wolken wiederentdeckt. Dem nüchternen Alltagsblick künden sie nur Regen an, Gewitter oder Aufhellung. Die weissen Kumulustürme über den Bergen sind Ausdruck von warmem Sommerwetter. Für mich bedeuten diese Wolken aber auch Stimmungen, die mich in die Kindheit zurückversetzen. Wolken verbinden die Zeiten, heben sie gewissermassen auf. Kein Augenblick lässt sich festhalten, so schön er sein mag. Er hat sich schon verändert. Die Wolkenbilder wechseln fortwährend.
Mich fasziniert das Farbenspiel am Abend, wenn das Himmelsfeuer aufglüht, wenn die Sonne hinter einer dunkeln Wolkenbank am Horizont verschwindet, um dann, tiefer schon, nochmals aufzutauchen, ein dunkelroter flach gedrückter Ball. Wohl am meisten berührt mich das Wolkenspiel in den Bergen, die verschiedenen Farben. Wie nach einem Regentag der Säntis im Abendlicht leuchtet, manchmal gelb oder rot, sogar bis zu dunkelrotem Violett, das bisher nur Walter Irniger mit seiner starken frechen Farbwahl annähernd getroffen hat. Schliesslich sind da noch die wolkigen Tiere, die über den weiten Himmel ziehen, die Ungeheuer, Fratzen und Engelgesichter, Giraffen und Walfische. Sie tauchen erst auf, wenn ich absichtslos in den Himmel hineinstaune. Dazu brauche ich Ferien.
Es geht aber auch, wenn ich sehr müde bin. Je verträumter ich vor mich hinschaue, desto mehr Figuren füllen sich mit Leben, werden zu Wesen, die mich im Vorüberziehen anschauen. Nochmals anders ist die Stimmung, die ich in den Bergen erlebe, mitten in den Wolken drin. Sie tauchen den Tag in Dämmerlicht. Sie streichen als lautlose Nebelschleier um die Felsen, wachsen oder lösen sich in Luft auf. In einer Nebelwolke drin kann man triefend nass werden. An den Wolken wird mir die Bewegung der Luft sichtbar. Sie geben dem uferlosen Blau des Himmels Konturen und Charakter.Für mich sind die Wolken wie die Seele der Erde zwischen Geist und Materie. In der Bibel sind die Wolken sogar Ausdruck für die Gegenwart von Gott. Petrus, Johannes und Jakobus erleben auf dem Berg Tabor ihren Meister im ungeborenen Licht der Verklärung, bei ihm Mose und Elia. Dann hüllt eine Wolke die Szene ein und wirft ihren Schatten auf die drei Jünger. Und eine Stimme aus der Wolke sagt: «Auf Jesus sollt ihr hören.»
Die Wolke ist Ausdruck der Nähe Gottes, die für Menschenaugen eben nur durch die getrübte Luft hindurch erfahrbar wird.
Das Ende der Sommerferien erleben viele Leute auch als dunkle Wolke, allerdings mehr bedrückend als göttlich. Pünktlich schlägt der Ernst des Lebens zurück. Fertig ist es nun mit den wolkigen Träumen - es sei denn, sie ziehen in unserer Seele weiter; es sei denn, wir lassen es zu.
Und die Kraft Gottes ist mit uns, so weit die Wolken ziehen. Seine Barmherzigkeit ist da wie eine schützende Wolkendecke, ungreifbare Wirklichkeit, die uns einhüllt - nicht in Watte, sondern in kraftvolles Vertrauen.Darum will ich jeden Morgen, wenn der Wecker mich rüde aus den Ferienträumen holt, zuerst tief durchatmen. So viel Ferien gönne ich mir weiterhin! Mein Atem ist meine wunderbare Wolke, stelle ich mir vor. Sie spricht mir den ganzen Tag Mut zu. Egal wie unbarmherzig das Räderwerk wieder läuft. Egal wie repressiv Menschen einander missachten können. Egal was für kranke, weil hoffnungslos überfüllte, Zeitpläne nun wieder gelten, manchmal schon für kleine Kinder: Du bist geliebt, bist eingehüllt in lauter Güte. So wird mir jeder Atemzug ein dankbares Wolkengebet in SEINER Gegenwart. Und das übrigens bei jedem Wetter.
PS: Aus den Wolken kommt die Kraft der Hoffnung, unser tristes Leben zu verändern.
Für welche Utopie leben Sie?Markus Grieder, Pfarrer, Urnäsch