Wie man die Wißbegierder natürlichen Verstandeskraft ausschalten muß
Endzeitprophetie
Geschrieben von André Rademacher am 20. Juli 2006 20:07:31:
Aber jetzt wirst du mich fragen: "Was ist das für ein Gedanke, der sich bei diesem
Werk so an mich herandrängt? Ist er etwas Gutes oder Böses? Und wenn er etwas
Böses ist, dann wundere ich mich ", wirst du sagen, "warum er die Kontemplation
eines Menschen so sehr zu steigern pflegt. Denn manchmal erscheint es mir sehr
tröstlich, dem, was er mir sagen will, zu lauschen. Er bringt mich nämlich, wie ich
glaube, dazu, manches Mal ob des Leidens Christi, zuweilen wegen meiner
Erbärmlichkeit und auch aus vielen anderen Gründen bittere Tränen zu weinen, die
mir sehr heilig erscheinen und mir sehr gut tun. Deswegen glaube ich nicht, daß ein
solcher Gedanke im geringsten schlecht sein kann. Aber wenn er gut ist und mir mit
seinen tröstlichen Erzählungen so viel Gutes erweist, dann muß ich mich sehr
wundern, warum du mich bittest, ihn abzuschütteln und weit weg unter die Wolke des
Vergessens zu drücken."
Diese Frage scheint mir gut gestellt, und daher möchte ich darauf antworten, so gut
ich es vermag. Wenn du mich fragst, was sich denn in diesem Werk so sehr an dich
herandrängt und dir helfen will, so sage ich dir, daß es eine scharfe und genaue
Gedankenvorstellung deiner natürlichen Verstandeskraft ist, die in deiner Vernunft
im Innern deiner Seele eingeprägt ist. Wenn du mich daher fragst, ob der Gedanke
gut oder schlecht sei, so sage ich: er muß seinem Wesen nach gut sein, denn er ist ein
Abglanz des göttlichen Urbildes. Aber der Gebrauch, den du davon machst, kann
sowohl gut wie schlecht sein. Er ist gut, wenn die Verstandeskraft durch Gnade
erleuchtet wird, damit du dadurch deine Erbärmlichkeit, das Leiden Christi, die Güte
Gottes und Seine wunderbaren Werke in Seinen körperlichen und geistigen
Geschöpfen erkennst; und dann ist es kein Wunder, wenn der Gedanke, wie du sagst,
deine Kontemplation so steigert. Aber er ist schlecht gebraucht, wenn er vom Stolz
und von jenem Vorwitz der Gelehrsamkeit und Buchweisheit der Theologen
aufgebläht ist, mit dem sie eifrig danach trachten, nicht als demütige Schüler und
Meister in der Gottesgelehrtheit oder der Kontemplation, sondern als hochfahrende
Schüler des Teufels und Meister im Betrügen und eitler Selbstdarstellung zu gelten.
Bei anderen Männern und Frauen, seien es Ordens-oder Weltleute, ist die
Verwendung und Wirkung dieser natürlichen Verstandeskraft dann vom übel, wenn
sie mit hochmütigen und vermessenen Kenntnissen von weltlichen Dingen und
fleischlichen Vorstellungen aufgebläht ist und weltliche Ehren, eitle Vergnügungen
und Schmeicheleien sowie den Besitz von Reichtümern begehrt.
Fragst du mich, warum du den Gedanken unter die Wolke des Vergessens drücken
sollst, da er doch von Natur gut ist und daher dir so gut tut und bei richtiger
Verwendung deine Kontemplation so sehr steigert, so antworte ich dir: Bedenke, daß
es zwei Arten des Lebens in der Heiligen Kirche gibt. Die eine ist das aktive, die
andere das kontemplative Leben. Das aktive Leben ist das niedrigere, das
kontemplative das höhere. Das aktive Leben hat zwei Stufen, eine höhere und eine
niedrigere, und ebenso hat das kontemplative Leben zwei Stufen, eine niedrigere und
eine höhere. Diese zwei Lebensarten sind nun miteinander so verbunden, daß keine
ohne teilweise Berührung der anderen völlig erreicht werden kann, obwohl sie doch
in manchem sehr verschieden voneinander sind; denn die höhere Stufe des aktiven
Lebens ist zugleich die niedrigere Stufe des kontemplativen Lebens. Darum kann ein
Mensch nicht ganz aktiv sein, ohne teilweise kontemplativ zu sein und auch nicht
ganz kontemplativ (soweit man hienieden davon überhaupt sprechen kann) ohne eine
gewisse Teilhabe am aktiven Leben. Mit diesem aktiven Leben ist es so bestellt, daß
es auf Erden begonnen und beendet wird. Anders verhält es sich dagegen mit dem
kontemplativen Leben: dies wird hier begonnen und dauert immerdar, denn der Teil,
den Maria sich erwählte, wird nimmer von ihr genommen werden. Im aktiven Leben
ist man um vieles besorgt und bemüht, aber im kontemplativen sitzt man im Frieden
mit nur einer einzigen Beschäftigung.
Der niedrigere Teil des aktiven Lebens besteht aus guten und aufrichtigen äußeren
Werken der Barmherzigkeit und der tätigen Nächstenliebe. Der höhere Teil des
aktiven und der niedrigere Teil des kontemplativen Lebens besteht in ernsten,
geistigen Selbstbesinnungen, im fleißigen, bekümmerten und zerknirschten Bedenken
der menschlichen Erbärmlichkeit, in der mitleidsvollen Versenkung in das Leiden
Christi und Seiner Diener sowie in der danksagenden, lobpreisenden Betrachtung der
Herrlichkeit göttlicher Gaben, Seiner Güte und Seines Wirkens in all Seinen
physischen wie geistigen Geschöpfen. Aber der höhere Teil der Kontemplation,
soweit er hienieden erreicht werden kann, liegt ganz in dieser Dunkelheit und Wolke
des Nichtwissens mit einer Regung der Liebe und einer unbedingten,
ausschließlichen Hingabe an das reine Sein Gottes.
Im niedrigeren Teil des aktiven Lebens steht der Mensch außerhalb und unterhalb
seines Selbst. Im höheren Teil des aktiven und im niedrigeren Teil des
kontemplativen Lebens ist der Mensch in sich selbst und wahrhaft bei sich. Aber im
höheren Teil des kontemplativen Lebens steht der Mensch über sich selbst und unter
seinem Gott. Über sich selbst ist er, denn er hat sich vorgenommen, dahin durch
Gnade zu gelangen, wohin er von Natur aus nicht kommen kann; das heißt, es ist sein
Ziel, sich im Geist mit Gott zu verbinden und zwar in der einigenden Kraft der Liebe
und der Übereinstimmung von göttlichem und menschlichem Willen.
Ebenso wie es nach menschlichem Verstande unmöglich ist, auf die höhere Stufe des
aktiven Lebens zu kommen, ohne vorher die niedrigere Stufe überwunden zu haben,
ebenso wenig kann man auf die höhere Stufe des kontemplativen Lebens gelangen,
bevor man nicht die niedrigere Stufe hinter sich gelassen hat. Und ebenso wie es für
einen Menschen ungehörig wäre und ihn in seiner Meditation behindern würde, wenn
er auf dieser niedrigen Stufe an alle jene äußeren leiblichen Werke denken würde, die
er getan hat oder zu tun hätte, wie heilig diese Werke an sich auch immer sein
mögen, ebenso unangemessen und hinderlich ist es für einen Menschen, der in dieser
Dunkelheit und in dieser Wolke des Nichtwissens mit einer sehnenden Regung der
Liebe zu Gott um Seiner selbst willen wirken möchte, wenn er irgend welche
Gedanken oder Meditationen über Gottes Wundergaben, Seine Güte und die
Schöpfung Seiner körperlichen und geistigen Werke hochkommen läßt und ihnen
gestattet, sich zwischen ihn und seinen Gott zu drängen, seien diese Gedanken auch
noch so heilig, angenehm oder tröstlich.
Das ist der Grund, warum ich dich bitte, einen solchen scharfsinnigen, klaren
Gedanken von dir zu weisen und mit einer dichten Wolke des Vergessens zu
bedecken, wenn er auch noch so fromm ist oder dir noch so sehr verspricht, dir bei
deinem Vorhaben zu helfen. Denn die Liebe vermag in diesem Leben bis zu Gott zu
dringen, nicht aber die Erkenntnisfähigkeit des Verstandes. Solange die Seele in
diesem sterblichen Leibe weilt, ist die Klarheit unseres Verstandes, mit dem wir über
alles Geistige, und insbesondere über Gott, nachdenken, mit gewissen Täuschungen
vermengt; es käme einem Wunder gleich, wenn diese nicht unser Werk
verunreinigten und zu großen Irrtümern führten.Wolke des Nichtwissens kapitel 8
- Re: Wie man die Wißbegierder natürlichen Verstandeskraft ausschalten muß Alois 21.7.2006 01:54 (5)
- Re: Wie man die Wißbegierder natürlichen Verstandeskraft ausschalten muß André Rademacher 21.7.2006 16:53 (2)
- Mensch sei wachsam und überhebe dich nicht Alois 22.7.2006 01:29 (1)
- Re: Mensch sei wachsam und überhebe dich nicht André Rademacher 22.7.2006 11:25 (0)
- Die Dunkele Wolke Lars 21.7.2006 11:37 (1)
- Re: Die Dunkle Wolke Epidophekles 23.7.2006 06:27 (0)
Endzeitprophetie