In jeder Situation auf Gott setzen
• Gerichtszeit
Geschrieben von Peace Pilgrim am 24. Juli 2004 07:49:29:
Als Antwort auf: Bereitschaft zum Dienst auch bei Verfolgung geschrieben von Peace Pilgrim am 21. Juli 2004 16:57:04:
Es war im ersten Jahr meiner Pilgerreise, und ich befand mich irgendwo auf der Landstraße zwischen EI Paso und Dallas, als ich wegen Landstreicherei aufgelesen wurde.
Ich hatte noch nie gehört, daß das FBI jemanden wegen Landstreicherei verfolgt, aber mir ist das passiert.
Ein Mann in einem schwarzen Auto hielt an und zeigte mir seine Kennmarke. Er befahl nicht einmal, daß ich mit ihm käme, er fragte nur: "Wollen sie mit mir kommen?" Ich sagte: "Aber ja. Ich bin gespannt darauf, mich mit Ihnen zu unterhalten." Ich stieg ein, aber erst kratzte ich ein großes 'X' auf die Straße an der Stelle, wo er mich aufgelesen hatte.Während dieser Zeit zählte ich die Kilometer. Wenn ich die Straße verließ, machte ich ein großes 'X', um dann an diese Stelle zurückzukehren und meinen Weg wieder aufzunehmen.
Er brachte mich zu einem Gefängnis und sagte: "Tragt sie wegen Landstreicherei ein", und ich wurde der Routinebehandlung unterzogen.
Zuerst werden Fingerabdrücke abgenommen. Es faszinierte mich, da man mir noch nie vorher Fingerabdrücke abgenommen hatte und auch danach nicht mehr!
Dann nahm er ein chemisches Mittel und wischte damit ganz einfach all die schwarze Tinte wieder von meinen Fingern. Während ich mich noch fragte, wie lange es wohl dauern würde, das abzuwaschen, war es schon weg.
Ich sprach mit ihm wie zu jedem anderen, dem ich begegnete, und es geschah etwas Interessantes:
Offenbar war er es gewohnt, daß die Leute ihn sehr abweisend behandelten. Als ich ihm wie einem Menschen begegnete, hielt er mir eine Vorlesung über Fingerabdrücke und zeigte mir die Diagramme. Es war sehr interessant. Ich wußte zuvor wirklich nicht viel über Fingerabdrücke. Die Leute standen in einer Schlange an, aber das wußte ich nicht, bis ich aus dem Zimmer kam und die lange Schlange sah.
Dann brachte man mich zum Fotografieren und hängte eine Kette mit einer Nummer um meinen Hals. Als ich von vorne und von der Seite fotografiert wurde, erinnerte mich das an all die Fahndungsbilder, die in Postämtern ausgehängt sind. Ich dachte daran, wie wüst die Personen darauf aussehen und sagte mir: "Ich will anders sein." Ich lächelte so freundlich ich nur konnte. Es gibt nun ein lächelndes Gesicht irgendwo im Verbrecheralbum!
Dann wurde ich verhört. Sie setzten mich tatsächlich unter ein grelles Licht, es soll einen psychologischen Effekt haben. Aber zu dieser Zeit war ich schon im Fernsehen gewesen, und ich sagte mir: "Glauben die wirklich, daß das ein grelles Licht ist? Sie sollten die Beleuchtung in einem Fernsehstudio sehen." Damals war die Fernsehbeleuchtung nicht nur grell sondern auch heiß.
Zuerst fragten sie mich, ob ich ihre Fragen beantworten wolle, und ich sagte: "Sicher will ich eure Fragen beantworten. Allerdings nicht deshalb, weil ihr Justizbeamte seid, sondern weil ihr Mitmenschen seid, und ich beantworte alle Fragen meiner Mitmenschen. Was immer ihr offiziell darstellen mögt, ihr seid in erster Linie Menschen. Wenn wir uns von Mensch zu Mensch unterhalten, kommen wir viel schneller voran."
So ging die Sache auch aus!
Sie begannen mit einer sehr verwirrenden Technik. Einer feuerte eine Frage auf mich. Bevor ich antworten konnte, feuerte der nächste eine Frage auf mich. Ich mußte immer wieder sagen: "Wenn Sie mich bitte für einen Moment entschuldigen wollen, ich muß zuerst die Frage des anderen Herrn beantworten." Dann kamen sie schließlich zu sinnvollen Fragen, wie ich sie von Schülern der Oberstufe kannte. - Wie ich mich nun für das Thema erwärmte!
Dann kamen sie auf physische Gewalt, den Vorsatz zu verletzen, zu sprechen. Sie sagten: "Würden Sie unter irgendwelchen Bedingungen physische Gewalt anwenden oder billigen?" Ich entgegnete: "Nein, das steht im Widerspruch zu Gottes Gesetzen. Ich habe lieber Gott an meiner Seite als irgendeine Macht dieser Erde." Ich erzählte ihnen die Geschichte von dem verhaltensgestörten Jungen, der mich auf unserer gemeinsamen Wanderung geschlagen hatte. Dann sagten sie: "Stellen Sie sich vor, sie müßten einen geliebten Menschen verteidigen." Ich sagte: "Oh nein, ich glaube nicht, daß ich einen geliebten Menschen durch Ungehorsam gegenüber Gottes Gesetzen verteidigen könnte." Ich erzählte ihnen von dem acht Jahre alten Mädchen, das in meiner Obhut war, und das Erlebnis, das wir mit dem psychisch kranken Mann hatten, der ihr etwas antun wollte.
Dann kamen sie auf sehr philosophische Themen und meinten: "Wenn Sie wählen könnten zwischen Töten und getötet werden, was würden Sie wählen?" Ich antwortete: "Ich glaube nicht, daß ich je so eine Wahl treffen muß nicht solange mein Leben in Harmonie mit Gottes Willen bleibt, es sei denn, es wäre meine Bestimmung, ein Märtyrer zu sein. Aber das ist eine sehr hohe, eine sehr seltene Bestimmung. Ich glaube nicht, daß das meine Bestimmung ist aber die Welt lernt durch ihre Märtyrer sich weiterzuentwickeln. Wenn ich wählen müßte, so würde ich lieber getötet werden als töten." Sie sagten: "Können Sie für so eine Haltung eine logische Erklärung geben?"Da saß ich nun und versuchte die Position der egozentrischen und die der auf Gott konzentrierten Natur zu erklären, so daß sie es verstehen konnten!
Ich sagte ihnen, daß nach meinem Weltbild ich nicht der Körper sei. Ich trüge den Körper lediglich. Ich bin das den Körper aktivierende Element das ist die Wirklichkeit. Wenn ich getötet werde, so zerstört das lediglich das Gewand aus Erde und Staub, den Körper. Aber wenn ich töte, so wird die Wirklichkeit, die Seele, verletzt!
Sie registrierten mich als jemanden mit einer religiösen Basis für seine Pilgerreise.
Aber man stelle sich vor, ich hätte gesagt: "Sie haben doch wohl schon von Selbstverteidigung gehört warum fragen Sie? Sogar das Gesetz erkennt Selbstverteidigung an." Das wäre wohl als legal betrachtet worden aber nicht als religiös.Einmal war ich in einer Situation, in der ich tatsächlich mit den Naturkräften zu kämpfen meinte.
Es geschah, als ich durch einen Staubsturm wanderte, der zeitweilig so stark tobte, daß ich kaum noch stehen konnte, und dann war er wieder so dicht, daß ich kaum noch sehen und mich nur noch am Straßenrand orientieren konnte. Ein Polizist hielt bei mir an, warf die Autotür auf und schrie: "Steigen Sie ein, Frau, bevor Sie umkommen." Ich erzählte ihm, daß ich auf einer Pilgerreise sei und keine Fahrt im Auto annähme (damals jedenfalls nicht). Ich sagte ihm auch, daß Gott mein Schutz sei, und ich deshalb nichts zu fürchten hätte. In diesem Moment legte sich der Wind, der Staub senkte sich und die Sonne brach aus den Wolken hervor. Ich setzte meinen Weg fort.
Aber das Schönste war, daß ich mich spirituell über alle Beschwerlichkeiten erhoben fühlte.Verborgen in jeder neuen Situation, der wir begegnen, ist eine spirituelle Lektion, die wir lernen müssen, und spiritueller Segen, wenn wir diese Lektion lernen.
Es ist gut, geprüft zu werden. Wir wachsen und lernen, indem wir Prüfungen bestehen. Ich sehe alle meine Prüfungen als gute Erfahrungen an. Bevor ich geprüft wurde, glaubte ich, daß ich mich liebend oder angstfrei verhalten würde. Nach der Prüfung wußte ich es!
Jede Prüfung stellte sich als erhebende Erfahrung heraus. Es ist nicht wichtig, daß das Ergebnis unseren Wünschen entspricht.
- Gewaltlos, aber mutig! Peace Pilgrim 28.7.2004 07:42 (1)
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