Bereitschaft zum Dienst auch bei Verfolgung


Gerichtszeit

Geschrieben von Peace Pilgrim am 21. Juli 2004 16:57:04:

Als Antwort auf: Mitleid beugt Gewalt vor geschrieben von Peace Pilgrim am 20. Juli 2004 07:32:46:

In jener Zeit, als ich meine Pilgerreise begann, wanderte ich aus zweierlei Gründen. Einerseits wollte ich mit Menschen in Kontakt kommen, und das gilt auch heute noch. Andererseits war es eine Gebetsübung, um mich ständig auf mein Gebet für den Frieden konzentriert zu halten.

Nach einigen Jahren machte ich eine Entdeckung. Ich fand heraus, daß ich diese Übung nicht länger brauchte. Ich bete jetzt ohne Unterlaß.
Mein persönliches Gebet lautet: Mach mich zu einem Instrument, durch das nur die Wahrheit sprechen kann.

Während meiner Pilgerreise durch Arizona wurde ich von einem Polizisten in Zivil festgenommen, als ich gerade auf dem Postamt in Benson Briefe aufgab. Nach einer kurzen Fahrt in einem Streifenwagen wurde ich als Landstreicher registriert. Wenn man nur im Vertrauen auf Gott wandert, so macht man sich formell der Landstreicherei schuldig.
Ja, ich wurde einige Male festgenommen, weil ich kein Geld hatte, aber sie lassen mich immer sofort frei, sobald sie verstehen.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Gefängnis und einem Arrest. Ein Gefängnis ist eine größere Institution, in der ein gewisser Standard eingehalten wird. Ein Arrest ist kleiner und hält sich an keinen Standard. Dies war ein Arrest. Man schob mich in einen großen Raum, der zu den Zellen führte, in die sie die Frauen hineinsteckten, vier in eine Zelle für eine Nacht.
Als ich hineinging, sagte ich zu mir: "Peace Pilgrim, du hast Dein Leben dem Dienen gewidmet ? da, schau dir dein wunderbares neues Arbeitsfeld an!"
Als ich hereinkam, sagte eines der Mädchen: "Donnerwetter, Du bist ja ulkig, du bist die einzige, die lächelnd hereinkam. Die meisten kommen weinend oder fluchend herein." Ich sagte zu ihnen: "Stellt euch vor, ihr hättet einen Tag frei würdet ihr an diesem Tag nicht irgend etwas Sinnvolles anfangen?" Sie sagten: "ja, was sollen wir tun?"

So brachte ich sie dazu, Lieder zu singen, die ihnen Mut machten. Ich zeigte ihnen eine einfache Übung, die einen ganz frisch macht. Dann sprach ich zu ihnen von den Schritten zum inneren Frieden. Ich sagte ihnen, daß sie doch in einer Gemeinschaft lebten, und was in Gemeinschaften draußen möglich sei, das könne genauso in ihrer Gemeinschaft getan werden. Sie waren interessiert und hatten viele Fragen. Oh, es war ein herrlicherTag.

Am Ende des Tages wechselte die Aufsicht. Die Mädchen mochten die nun diensthabende Frau nicht. Sie sagten, sie wäre eine schreckliche Person, und wir sollten nicht einmal mit ihr sprechen.
Aber ich wußte, daß in jedem etwas Gutes steckt, und so sprach ich natürlich mit ihr. Ich erfuhr, daß diese Frau mit ihrer Arbeit ihre Kinder ernährte. Sie meinte, arbeiten zu müssen, fühlte sich aber oft nicht wohl; deshalb war sie zeitweise etwas mißgelaunt.
Für alles gibt es einen Grund.

Ich bat die Aufsicht, nur das Gute in den Insassinnen zu sehen, und ich bat die Mädchen, sich nur das Gute in der ungeliebten Aufsicht vor Augen zu halten.
Später sagte ich zu der Aufsicht: "Ich sehe, Sie haben ein volles Haus, und ich kann ganz bequem hier auf der Holzbank schlafen." Stattdessen ließ sie mir ein Feldbett mit sauberer Bettwäsche bringen, und ich konnte warm duschen, mit einem sauberen Handtuch und allen Bequemlichkeiten eines Heimes.

Am Morgen verabschiedete ich mich von meinen Freundinnen und wurde von einem Justizangestellten ein paar Häuserblocks weiter zum Gericht geführt. Ich trug keine Handschellen, und er hielt mich auch nicht fest. Aber er trug einen großen Revolver an der Seite, und so schaute ich ihn an und sagte: "Falls ich weglaufen sollte, würden Sie dann auf mich schießen?" "Oh, nein", sagte er grinsend, "ich schieße nie auf etwas, das ich fangen kann!"

Vor dem Gericht an diesem Morgen plädierte ich für nicht schuldig, und mein Fall wurde sofort niedergeschlagen.In meinen Habseligkeiten, die man mir über Nacht weggenommen hatte, war ein Brief, der viel zu meiner Entlassung beigetragen hatte. Er lautete: "Der Besitzer dieses Schriftstücks weist sich als eine Friedenspilgerin aus, die von Küste zu Küste wandert, um die Aufmerksamkeit unserer Bürger auf ihren Wunsch nach Frieden in der Welt zu lenken. Wir kennen sie nicht persönlich, da sie in unserem Staat nur auf Durchreise ist, aber da es zweifellos eine lange, anstrengende Wanderschaft für sie sein wird, wünschen wir ihr eine sichere Reise." Es war ein offizielles Schreiben, unterzeichnet vom Gouverneur des Staates, Howard Pyle.

Als ich entlassen wurde, bemerkte einer der Gerichtsbeamten: "Der Tag hinter Gittern scheint Ihnen überhaupt nicht geschadet zu haben". Ich entgegnete: "Ihr könnt meinen Körper einsperren, aber nicht den Geist. "Es ist nur der Körper, den man hinter Gitterstäbe stecken kann.
Ich fühlte mich niemals eingesperrt, und auch du wirst dich nie eingesperrt fühlen, falls du dich nicht selbst einsperrst.

Man brachte mich zu dem Ort, wo man mich am Tag vorher aufgelesen hatte.

Es war eine wunderbare Erfahrung.
Jede Erfahrung ist das, was man aus ihr macht, und sie dient einem bestimmten Zweck. Sie kann anregen, sie kann erziehen oder eine Gelegenheit bieten, in irgendeiner Form zu dienen.




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