Hildegard von Bingen - Auszüge aus SCIVIAS
Endzeitprophetie
Geschrieben von Maona am 27. Dezember 2005 13:19:40:
Als Antwort auf: Hildegard von Bingen - Die Bedeutung der Sinne geschrieben von Epidophekles am 16. Dezember 2004 02:27:31:
Einleitung von Rosel Termolen
(Auszüge)Hildegard ist Posaune Gottes, ist Prophetin im alttestamentlichen Sinn. Und die Aufgabe der Prophetin, ihre Aufgabe, definiert sie selbst so: "Eine gewisse Härte kommt über sie gleich der Festigkeit des Marmors. Sie schmeichelt niemandem, sondern steht, vom Heiligen Geist durchströmt, ohne Wanken in der ungeteilten Wahrheit. Keine Spaltung ist in ihren Worten, denn sie empfängt das, was sie sagt, von keinem anderen als dem, der ungeteilt Gott ist. So ist sie unbeugsam wie ein Stein. Sie weicht keinem Menschen. Doch geschieht alles in der Lauterkeit der Einfalt, die wie die Einfalt eines Kindes nichts redet, als was sie sieht und weiss". Nicht also, was sie selbst fühlt, denkt, wünscht, hofft, sondern im Sinne der "Posaune" nur das, was sie empfängt. Und das soll aufrütteln, mahnen, aber auch trösten und ermutigen.
"Wer gegen diese Prophezeiungen Flüche ausstösst,
über den wird der Fluch kommen, den Isaak ausgesprochen".
Ihr eigenes Wirken schildert sie in Formulierungen, die ihr visionär zugeflossen sind, schildert es so distanziert, wie es allein jemand kann, der sich wirklich "nur" als Sprachrohr dessen empfindet, der über seinen Propheten sagt:
"Den Menschen, den Ich erwählt und ... mächtig erschüttert habe,
stellte Ich in grosse Wunder hinein ... Doch warf Ich ihn zur Erde nieder,
damit sich sein Geist nicht aufgeblasen erhebe".
"Sci vias", Wisse die Wege, betitelte Hildegard ihre erste grosse Vision, die sie innerhalb von zehn Jahren niederschrieb. "Wisse die Wege" - das meint, "Erkenne die Verflechtungen der Schöpfung mit ihrem Schöpfer, begreife die Einheit der kosmischen Geheimnisse, schau auf Erlöser und Erlösung, begegne dem göttlichen Licht, öffne dich Gottes Erbarmen".
"Das Licht, das ich schaue", schreibt sie 70jährig im wichtigsten Selbstzeugnis an Wibert von Gembloux, "ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt. Weder Höhe noch Länge noch Breite vermag ich zu erkennen. Es wird mir als der Schatten des lebendigen Lichtes bezeichnet. Und wie Sonne, Mond und Sterne im Wasser sich spiegeln, so leuchten mir Schriften, Reden, Kräfte und gewisse Werke des Menschen in ihm auf".1147 hält Eugen III. zu Trier eine Synode und Erzbischof Heinrich nutzte die Gelegenheit, den Papst über Hildegards Schauungen zu informieren. Die Vita berichtet: "Der Papst, ein Mann von hoher Diskretion, veranlasste sorgfältige Untersuchung. Er sandte den verehrungswürdigen Bischof von Verdun, den Primizerius Adalbert und andere geeignete Männer zu dem Kloster, unter dessen Schutz die Jungfrau schon viele Jahre in der Klause lebte. Unauffällig, ohne sich von Neugier anstacheln zu lassen, sollten sie von ihr selbst zu erfahren versuchen, was an der Sache sei. Da sie nun zurückhaltend ihre Fragen stellen, eröffnete ihnen die Jungfrau in Einfalt, was sich mit ihr zugetragen hatte. Alsbald kehrten sie zum apostolischen Herrn zurück und berichteten ihm und den Versammelten über das Gehörte. Aller Aufmerksamkeit wurde wach. Der Papst liess sich nach kurzer Überlegung die mitgebrachten Schriften der seligen Hildegard reichen und übernahm selbst das Amt des Vorlesers...
Da wurden alle Herzen zum Lobe des Schöpfers entflammt. Sie brachen in jubelnde Freude aus. Zugegen war auch der Abt Bernhard von Clairvaux heiligen Gedenkens. Dieser ergriff das Wort und bat, von den anderen unterstützt, den Hohenpriester, er möge nicht zulassen, dass ein so hellstrahlendes Licht im Dunkel des Schweigens bleibe, sondern die Gnadenfülle, die der Herr unter seinem Pontifikat kundtun solle, durch seine Autorität zu bestätigen. Ihm stimmt der verehrungswürdige Vater der Väter gütig und weise zu und suchte die selige Jungfrau in huldvollem Schreiben heim. Er erteilte ihr in Christo und des heiligen Petrus Namen die Erlaubnis, was immer sie im Heiligen Geiste erkenne, kundzutun, und munterte sie zum Schreiben auf".
Text abgeschrieben aus "SCIVIAS"
Herausgegeben von Walburga Storch OSB
ISBN 3 629 00594 2, Pattloch Verlag,
Copyright Weltbild Verlag 1991
- Der Tag der grossen Offenbarung
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