Abschaffung des Christentums - 15. Die Sünde
Endzeitprophetie
Geschrieben von ein Beunruhigter am 19. Dezember 2005 19:21:41:
Als Antwort auf: Abschaffung des Christentums - 14. Der gewöhnliche Mensch b) geschrieben von ein Beunruhigter am 19. November 2005 20:00:46:
Die Sünde
Kein Mensch kann denken oder träumen oder für historische Wirklichkeit halten, daß «ein Biß in einen Apfel» die Ursache sein konnte der ganzen Menschheitsgeschichte mit all ihrem Elend.Und kein Mensch kann denken oder träumen oder für historische Wirklichkeit halten, daß einmal eine «Arche» gebaut wurde, ein Holzkasten, der ein paar Menschen vor dem allgemeinen Untergang rettete. Und doch liegt darin der Ursprung der ganzen Menschheitsgeschichte und die wenigen Worte, mit denen die Bibel das erzählt, sind das Dokument unserer wahren Lage auf der Erde, über alles Verstehen.
Nüchtern ist, wer sich von außerhalb seines Denkens und Träumens her sagen läßt, daß dies die wahre Wirklichkeit ist, so einfältig und absurd sie auch erscheinen mag.
Kein Kind wird geboren, kein Volk lebt, kein Atemzug wird getan ohne die wahre Wirklichkeit, die da heißt: «Der Herr sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen, um des Menschen willen, denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Solange die Erde stehet, soll nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.» - (1. Mose 8,21 u. 22).
Der Mensch tritt aus der Arche, der Ueberlebende, der Vater einer künftigen Menschheit. Die Wasser sind gefallen, die Erde grünt wieder. Auf dem Berg Ararat steht der Mensch, zu seinen Füßen die Einsamkeit der entvölkerten Erde, über seinem Haupte die grenzenlose Einsamkeit des Himmels.
Und der Mensch bückt sich vor der Stimme des Herrn, die ungeheuer widerhallt von der Kuppel des All. Die Schöpfung ist dem Fluche enthoben, sie soll dauern. Die ewige Bahn der Gestirne, der Wechsel der Jahreszeiten, die Fruchtbarkeit der Krume, der Bestand der Welt ist verbürgt - ewige Ordnungen!
Was aber ist dein Los, o Mensch? Alles ist gut, nur du bist böse. Alles ist geordnet, nur du bist ein Hort der Zerstörung. Alles ist einfältig, nur du bist zwiespältig. Alles ist schuldlos, nur du bist schuldig.
Nicht mehr verfluchen! Welch ein väterlicher Schmerz, verfluchen zu müssen das Eigengeschaffene!
Welch eine väterliche Liebe, das Fluchwürdige zu erhalten, ja, sich dem Fluchwürdigen zu verbinden und ihm das Zeichen des Bundes zu geben, den siebenfarbigen Bogen zu ewigem Gedächtnis!
«Solange die Erde steht soll nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!»
Liebevolle, väterliche Dauer und doch leidvolle Dauer, denn der Mensch sieht Geschlecht um Geschlecht seinen Lenden entwachsen, Glied um Glied, die Nacken gebeugt von Schuld und die Schuld entfesselnd die Sühne und die Sühne gebärend das Leid.
Solange die Erde steht soll nicht aufhören: Trauer und Tränen-, Zwist und Streit, Frohn und Schweiß, Trotz und Tod.
Das steht dir bevor, du Mensch!
Das ist die Erkenntnis der Nüchternheit, die sich nichts erdenkt und erträumt, sondern die sich sagen läßt, von außen her: Menschsein heißt sündig sein! Und wie einer, der blind ist, nicht wissen kann, was Licht ist, so kann der Mensch nicht wissen, was Nichtsünde oder Sündlosigkeit ist, außer «es spiegele sich in ihm des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht.» (2. Kor. 3, 18).
Und das Christentum?
Da ist viel von der Sünde die Rede. Aber alles bleibt im Seelischen. Es ist ein Reden von der Sünde als sei sie eine «seelische» Angelegenheit und könne durch Seelsorge erledigt werden. So, als sei die Sünde eine moralische Negation und könne durch ein moralisches Plus aus der Welt geschafft werden. Aber ich stelle mir vor, dass, wer nüchtern ist, davon läuft, wenn er so von der Sünde reden hört.
Das Christentum hat die Herrschaft Gottes über seine Gemeinde umgewandelt in Seelenpflege. Es wurde Seelenchristentum und damit begann jene Wehleidigkeit, welche aus der Sünde eine Krankheit machte und aus der Herrschaft Gottes eine Krankenstube.
Aber Sünde ist nicht Krankheit und nicht Unmoral, sondern der Bruch mit Gott, der unheilbare, der nur von Gott selbst geheilt werden kann.
Sünde ist nicht ein Vorgang in der Seele, sondern betrifft den ganzen Menschen, den totalen Menschen.
Sünde ist nicht ein Seelenereignis, sondern ein Menschheitsereignis.
Sobald aber nur die Seele sündig sein soll oder krank, beginnt sie sich zu pflegen und zu hegen, ihre Krankheit zu beobachten und zu registrieren, ihr Seelenfieber zu messen.
Seelenpflege oder Seelsorge ist das Mißverständnis, als sei Gott ein Psychiater und als müßten wir uns in Seine Sprechstunde begeben, um Rezepte zu empfangen, wie wir moralisch oder «seelengut» werden könnten.
Daß die Rettung der Einzelseele allein der Sinn der Erlösungstat Christi sei, welch eine Theaterdonnermaschine!
Wenn das Christentum nüchtern wäre, dann ließe es sich sagen, daß die Sünde nicht allein in der Seele steckt, also auch nicht durch Seelsorge zu beseitigen ist, sondern daß die menschliche Existenz selbst die Sünde ist, weil der Mensch nur als Sündiger existiert und daß die Sünde nicht von innen, von der Seele her «kuriert» werden kann, sondern daß es mit dem Menschen bestellt ist wie mit einem Gefangenen, der hinter Eisengittern eingekerkert ist. Mensch sein, heißt gefangen sein. Von innen her kann er sich nicht befreien. Es muß der Starke von außen kommen und die Riegel und Ketten zerbrechen. Das gewaltige Geben der Freiheit ist das gewaltige Vergeben der Sünde.
Das Christentum ist mit seiner Seelenpflege wie ein Träumer, der im Traum Kapriolen macht, Luftsprünge, Ueberschläge in der Luft. Wacht er auf, so sitzt er wieder auf dem Schutthaufen, den er so gerne verlassen möchte.
Ein Christ aber ruft und schreit nach der Erlösung der Welt - denn
ist die Welt erlöst, so ist auch er mit erlöst.Der Christ, also der Nüchterne, bekennt sich zu dem Blick, mit dem der Mensch von außen angesehen wird, und dieser Blick ist der Blick Gottes. Der Nüchterne bekennt, daß der Mensch nicht weiß wer er ist und wie er beschaffen ist - mag er noch so tief in sich hineinschauen und seine Seele analysieren, so weiß er es trotzdem nicht.
Der Nüchterne läßt sich von Gott die Wahrheit sagen, daß die Sünde die Wirklichkeit des Menschen ist, denn diese Wahrheit kann er sich nicht selbst erdenken und erträumen, ja er versteckt sich vor dieser Wahrheit.
Der Nüchterne aber beugt sich unter diese Wahrheit. Er pflegt nicht die Seele, denn er hört auf das Wort: «Wer da sucht, seine Seele zu erhalten, der wird sie verlieren!» (Luk. 17, 33).
Die Nüchternheit weiß: Ja, es geht um die Erlösung des Menschen, also auch seiner Seele - aber auf dem Wege über die Erlösung der Welt, grade nicht umgekehrt!
«Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!»
Armes Christentum (und ich armer Christentümler mit), wann wirst du nüchtern werden?
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