Abschaffung des Christentums - 4. Was ist Christentum?
Endzeitprophetie
Geschrieben von Epidophekles am 16. Oktober 2005 13:03:51:
Als Antwort auf: Abschaffung des Christentums - der Autor über sich geschrieben von Epidophekles am 12. Oktober 2005 18:56:41:
Was ist Christentum?
Wenn es wirklich das ist, für was man es hält - dann darf es ruhig abgeschafft werden. Wenn es aber das ist, für was man es hält, dann braucht man sich gar nicht erst die Mühe zu geben, es abzuschaffen, dann liegt es schon im sterben.Aber was ist das Christentum?
Wenn es eine Religion ist, dann ist es überflüssig geworden, so alt und ehrwürdig es auch ist. Denn ist es eine Religion, dann hat es sich selbst überlebt. Eine Religion, mit Sandalen und einem leinenen Umschlagtuch als Gewand; eine Religion mit dem Staub von zweitausend Jahren bedeckt, gehört ins Museum wie eine Mumie, und muß als verkehrsstörend von den Straßen entfernt werden.
Es gibt Leute, die behaupten, daß wir Religion brauchen. Gut, mag sein! Aber wenn schon Religion, dann eine, die im Auto daherkommt oder im Flugzeug, zeitgemäß, mit allen Schikanen der Neuzeit.
Wer nüchtern ist braucht keine Religion. Wer aber durchaus eine haben will, weil ihm das Leben zu kahl und schmucklos vorkommt, dem stehen moderne Religionen genug zur Verfügung.
Wenn das Christentum aber keine Religion ist, was dann?
Was ist das Christentum, wenn es keine Religion ist?Dann müßte es Wahrheit sein - und das eben ist die Frage, ob das Christentum Wahrheit ist.
Wäre das Christentum Wahrheit, dann wäre es eine Würze, ein Salz, etwas Erregendes und Bewegendes, nicht aber eine Angelegenheit, über die man gelangweilt zur Tagesordnung übergeht.
Wäre das Christentum Wahrheit, dann müßte es Aergernis erregen. Denn die Wahrheit ist gefährlich und wirft alle unsere Berechnungen über den Haufen und stößt all unsere Konzepte um.
Wenn das Christentum Wahrheit wäre, dann müßte sich das daran zeigen, daß es Gegner hat in der Welt. Denn die Welt will keine Wahrheit, wenigstens keine Wahrheit, die immer und für alle Zeit gültig ist, höchstens eine Wahrheit für heute.
Daran also müßte sich das Christentum als lebendig erweisen, daß es tödliche Gegner hat auf dieser Welt. Denn, wenn das Christentum ewige Wahrheit wäre, dann müßte es bekämpft werden, denn die Ewigkeit ist der Feind der Endlichkeit.
Die Ewigkeit, das ist die große Revolution, auf die wir nicht vorbereitet sind. Mit der Ewigkeit wollen wir nichts zu tun haben. Und wenn das Christentum die Ewigkeit unter uns verträte, dann müßte das daran zu erkennen sein, daß es Feinde hat.
Aber das Christentum hat ja Feinde. Oder wird es etwa nicht leidenschaftlich bekämpft?
Ja, das Christentum wird bekämpft! Oder sind die lauten und stillen Verfolgungen, Verbot und Unterdrückung, Kerker und Exekutionen nicht ein schlagender Beweis dafür, daß das Christentum angefeindet und verfolgt wird?
Alles zugegeben, mit allem Ernst und mit allem Wissen um die Tatsachen.
Aber nun kommt die ernste Frage, und sie kann dem Christentum nicht erspart bleiben: Es fragt sich, ob die Feinde des Christentums wirklich echte Feinde sind, ob sie das Christentum verfolgen um Christi willen oder aus andern Gründen?Es gibt zwei andere Möglichkeiten, das Christentum zu verfolgen, nicht um Christi willen, sondern als Christentum:
Entweder, weil man das Christentum für eine Religion hält, die man nicht mehr ernst nimmt, die überholt ist und nicht mehr «modern» genug und die man daher durch eine andere passendere ersetzen will.
Eine Religion hat eine beschränkte Lebensdauer, so alt sie auch werden mag. Eine Religion ist wie ein Topf, worin man seinen Brei kocht und den man so lange benützt als er zum Breikochen brauchbar ist. Bekommt der Topf ein Loch, das heißt, taugt er nicht mehr dazu, die tägliche Speise bequem zuzubereiten, dann wird er durch einen anderen Topf ersetzt.
Vielleicht also, und das ist die Frage, will man das Christentum abschaffen wie einen alten Kochtopf oder wie eine alte Religion und es umtauschen gegen eine neue, die besser tauglich ist für den Brei, den man damit kochen will, das heißt für das bequeme Leben?Oder man will das Christentum abschaffen, verfolgt es und geht tätlich gegen es vor, weil es gar nicht mehr die absolute, durch nichts abzuschreckende Wahrheit ist, sondern eine ganz andere Angelegenheit: die Verharmlosung der Wahrheit, die Wahrheit in bürgerlichem Gewande, also keine Wahrheit sondern eine Tagesmeinung, die lange gegolten hat, solange als das Bürgertum noch Geltung hatte, die sich nun aber überlebt hat - oder sogar schädlich geworden ist, wie der Rost auf den Trägern einer Eisenbahnbrücke und daher abgekratzt und vertilgt werden muß?
Im letzteren Falle könnte es sein, daß man das Christentum verfolgt und abschaffen will, weil es die Wahrheit Christi mit Bürgerlichkeit vermengt und dadurch geschmacklos gemacht hat, so wie man einen edlen Wein so gründlich panschen, das heißt verwässern kann, daß von dem Feuer und der edlen Kraft des Weines nichts mehr zu schmecken ist.
Es könnte also sein, daß die Feindschaft gegen das Christentum nicht Feindschaft gegen die Sache Christi ist, die in ihm vielleicht gar nicht mehr oder nur noch verwässert vorhanden ist, sondern Feindschaft gegen die christliche Religion oder gegen die christlich verbrämte Bürgerlichkeit.
Es könnte sein! Es ist eine kniffliche Frage ob es so ist - ich weiß es nicht, aber ich stelle einmal diese Frage.
Wenn es aber anders ist; wenn wirklich die Feindschaft gegen das Christentum, Feindschaft gegen die Sache Christi ist, mag sie auch noch so unvollkommen und erbärmlich im Christentum vertreten sein wie gerne will ich dann Unrecht haben und in mich gehen! Wenn es aber so wäre, dann müßte sich das daran erweisen, daß das Christentum durch die Verfolgung und Feindschaft - ja, gerade dadurch - lebendig wird, so lebendig, daß es die Feindschaft und Verfolgung für eine Wohltat hält; daß es gespeist und genährt wird dadurch, wie das Feuer wenn der Wind hineinfaucht.
Lebendig werden aber kann das Christentum nur, wenn es einen Glauben hat, zu dem es steht mit seiner ganzen Existenz.
Das Christentum soll gefragt werden, ob es einen Glauben hat, dem es auch wirklich traut und ob es wagt, mit diesem Glauben ernst zu machen?
Wenn das Christentum noch ein Lot der Sache Christi in sich birgt, dann hat es einen Glauben, dem es zutraut, daß der Glauben allein die Wahrheit ans Licht bringen wird.
Wenn das Christentum aber so glauben würde - dann plötzlich - ja, dann wäre es ja kein Christentum mehr, sondern Jüngerschaft; dann könnten seine Feinde die Welt auf den Kopf stellen, diesen Glauben vermöchten sie nicht umzubringen.
Wenn das Christentum aber nicht so glaubt, dann ist es entweder eine überholte Bürgerlichkeit, oder es ist eine alte ehrwürdige Religion und mag abgeschafft werden!
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