Man kann mit gewichsten Stiefeln, einem sauberen Anzug, einem blitzblanken Gewehrlauf, einem guten Leumund, einer tadellosen Haltung auf dem Kasernenhof, doch ein schlechter Soldat sein.
Man kann den Fahneneid geschworen haben, seine Dienstvorschrift Im Kopfe tragen, die Kriegsartikel auswendig kennen, und doch ein schlechter Soldat sein.
Was ein guter Soldat ist, zeigt sich im Krieg, nicht im Frieden.
Nicht der Drill, nicht die theoretische Ausbildung, nicht die Exaktheit beim Exerzieren entscheidet die Tüchtigkeit des Soldaten. Das ist Voraussetzung: der Soldat muß sein Handwerk verstehen.
Aber ob einer ein rechter Soldat ist, ob er ein kriegerisches Herz hat, er kämpfen kann, das entscheidet sich wenn es ernst wird.
Jetzt ist es ernst! Und nun muß es sich zeigen, ob das Christentum den Ernstfall taugt, ob es die Feuerprobe besteht.
Man werfe nicht ein, das Christentum sei ja schon zweitausend Jahre alt und habe sich immer wieder bewährt!
Damals, als man noch mit Pfeil und Bogen schoß; damals, als man in der Rüstung kämpfte, mag das Christentum tauglich gewesen sein. Heute kämpft man mit Bomben und Granaten, mit Tanks und Flugzeugen. Helfen heute noch die alten Geräte und Ausrüstungsstücke der historischen Rumpelkammer?
Aber das Christentum ist doch eine geistige Sache und der Kampf wird mit geistlichen Waffen geführt?
Gut, aber sind die geistlichen Waffen des Christentums noch etwas wert? Kann die geistige Schlacht damit gewonnen werden?
Kampf, Krieg, Schlacht - was soll dieses Getöse?
Haben wir noch nicht genug von dem blutigen und unblutigen Gemetzel rund um den Erdball? Wollen wir nicht endlich unsere Ruhe haben?
Nein, wir können keine Ruhe haben bis die Schlacht zu Ende geschlagen ist, denn es ist eine Schlacht, ein Kampf, ein Krieg. Es ist eine Schlacht der Götter und es hängt alles davon ab, wer der Sieger sein wird.
Der Gott, der Sieger geworden ist, soll uns führen; ihm wollen wir unsere Sache übergeben!
Auch das Christentum hat einen Gott; und nun fragt es sich, ob dieser Gott nicht schon ein alter Mann geworden ist, der in seinem Schlafrock im Lehnstuhl sitzt, seine lange Pfeife raucht und nicht helfen kann.
Oder - es fragt sich, ob das Christentum noch seinem alten Gott gehorsam ist; dem alten Gott, der ja nach seiner Behauptung nie altert, oder ob es ihm etwa nicht mehr traut und sich andern Göttern zugewandt hat?
Oder - es fragt sich, ob das Christentum nicht vielleicht aus Gott, dem ewig jungen, einen alten Mann gemacht hat, weil es selbst gebrechlich und alt geworden ist, Gicht in die Glieder bekommen hat und asthmatisch geworden ist.
Wie es auch sei: Mit einem schwindsüchtigen Glauben und einem alten hinfälligen Gott wollen wir nichts zu tun haben.
Aber es ist ernst, wir leben im Krieg, denn die Götter streiten sich wer die Welt regieren soll.
Und irgendeiner muß uns sagen, wer der rechte Gott ist.
Wenn das Christentum es nicht kann; wenn es den rechten Gott nicht kennt; wenn das Christentum eine schlechte, schartige, rostige Waffe ist; wenn es greisenhaft und bequem geworden ist, dann muß es abgeschafft werden.
Es kommt darauf an, daß das Christentum heute die Feuerprobe besteht.