Wie kleinkarriert unser Denken doch ist, wenn wir das Erdenleben und unser eigenes Verstehen in den Mittelpunkt stellen! Solches Denken ereifert sich darüber, wenn jemand die Grenzen irdischen Verstehens überschreitet und dem Menschen einen viel grösseren Wirkungs- und Erlebenskreis zurechnet, als das übliche Denken erkennen will.
Gleicherweise ist der Mensch sehr verblendet von seiner eigenen Wichtigkeit, wenn er sein eigenes Vorstellungsvermögen von der Liebe Gottes als Massstab dafür nimmt, was Gott tun wird und tun darf. Solches Denken lässt Demut vermissen und zeigt ein überhöhtes Ich, das von seiner Scheinweisheit verblendet ist.
Gottes Liebe gilt allem Geschaffenen, auch dem Gefallenen und dem Zurückgebliebenen. Gott schafft keine Automaten oder willenlose Puppen, sondern gibt ihnen Leben, mit welchem sie umgehen lernen müssen. Er überlässt ihnen die Wahl, ob sie es ergreifen wollen oder ob sie sich überschätzen und ein eigenständiges Leben ohne Gott führen wollen. Diese Abwendung vom Lebensspender und das Aufblähen des ihnen geliehenen Seins für eigene Zwecke führt sie abseits in die eigen gewählte Gefangenschaft ihres Egos, die immer mehr in die Enge führt. Wo sind die Grenzen? Wie weit kann ein geschaffenes Wesen sich von Gott entfernen? Kann es sich völlig vernichten, wenn es von einer höheren Macht erschaffen wurde? - Und: hat es einen guten Grund, seinen Schöpfer zu verwerfen und zu lästern, weil es gar nicht wünschen konnte, zu sein, sondern ungefragt hingestellt und sich selbst überlassen wurde? Ist hier wieder menschliches Ego-zentriertes Denken die Ursache des Unverständnisses und gehässiger Vorwürfe?
Was ist Nichtsein?
Was ist glückseliges Sein?
Hat das Geschöpf wirklich selbstgestalterische Fähigkeiten und einen freien Willen, wenn es nicht einen Weg in weiteste, uneinholbare Gottferne wählen kann? Wie weit weg kann ein solcher Weg führen? Wo werden die Qualen so selbstzerstörerisch und doch erfolglos, dass sich Gott dessen erbarmt und den Willen bindet und in eine neue Ordnung bringt, in welcher ein neuer Weg des Werdens beginnt?
So wie ein Apfel von Würmern befallen, von Wespen zerfressen, in Fäulnis fällt oder vom Menschen gegessen wird, so ist alle Materie dem Dienen überantwortet, indem es sich verschenkt und dadurch sich verwandelt. Diese Sicht sollten wir vermehrt pflegen und würden schon hier in neue Denkdimensionen und Liebeskategorien vordringen. Das Leben wäre frei gewählt und bliebe erhalten, wenn es sich verschenkte und so höherem Werden zu Diensten stünde.
So wie ein Apfel ein Lebewesen ist, das auf dem Wege der Vervollkommnung seiner Bestandteile ist, so ist auch die Erde ein Himmelskörper, der im Werden ist und in Licht aufgelöst werden soll. Aber nicht, indem sie ihre Festigkeit beibehält und sich darauf fixiert, sondern indem alles Leben auf ihr sich fortentwickelt. Aber wenn der Mensch dies verhindern will, gerät die Erdenaufgabe in Gefahr und es droht Verhärtung und Erstarrung. Alles Leben würde rückläufig, die Zerwürfnis immer grösser und kein Ausweg ersichtlich aus dem Niedergang der Lebenskeime und Lebenssubstanzen. Und doch würde es sein, den ganz vergehen kann das Geschaffene nicht, weil es ohne sein Zutun in die Existenz gestellt und zu einer glücklichen Aufgabe berufen wurde, der es sich verweigert hat.
Nun, was soll der Schöpfer mit dieser 'missratenen' Welt tun, die auch durch ihr Abwenden vom Schöpfer ihren eigenen Willen bewiesen hat? Entlässt nun der Schöpfer dieses zum Tod erstarrte Wesen aus Seiner Liebe und übergibt es einer ständig zunehmenden Qual der Selbstzerfleischung, ohne je vergehen zu können? Oder wandelt Er es wudiwups in ein glückliches Wesen um, was dieses doch zuvor abgelehnte? Soll Gott eben doch willenslose glückliche Wesen schaffen? Wie ist das möglich; was ist denn Glück und worin besteht es???
Wenn Gott allem Geschaffenen stets beisteht und es in Liebe begleitet, aber nicht bestimmen darf entgegen des freien und abgeneigten Willens des Geschöpfes, so sucht Er trotzdem immer Wege, um den Willen des Verhärteten zu ändern. Wenn alle uns vorstellbaren Möglichkeiten ausgeschöpft sind und der Abfall immer tiefer wird, so hebt Gott das Sinkende auf und stellt es in ein neues Sein, wo es aus der Selbstzerstörung herausgehoben ist und in eine neue Entwicklungsmöglichkeit hineingestellt wird, wo es schrittchenweise wieder Fügsamkeit und Dienen lernen soll, ansonsten kein Fortschritt möglich aber auch ein tieferes Fallen ausgeschlossen ist, weil der Wille sehr eingeschränkt ist und die Ordnung Gottes so beschaffen, dass nur Fortschritt bis zum Menschsein möglich ist, lediglich die Zeit und Qualität unterschiedlich ausfällt, weil das Werdende dies mitbestimmt. Im Menschsein wird sich das Wesen seiner selbst wieder bewusst und erhält seinen freien Willen zurück, den es nun zur Liebe gestalten oder wieder dagegen stellen und auf sich selbst richten kann.
So gesehen, ist unter "Zorn Gottes" und "Gericht" etwas ganz anderes zu verstehen, als es Menschen in ihrer begrenzten Sichtweise interpretieren. Den "Zorn" Gottes erlebt nur ein abtrünniges Wesen, das seinen Eigenwillen in Gefahr sieht, einen Eigenwillen, der sich immer mehr in Hass verkehrt und Zerstörung und Vernichtung im Sinne hat. Es fühlt sich behindert und macht sich aus der Liebe Gottes eine Eigenschaft, die es hasst und der es entfliehen will. Nun ergreift - aus unserer Sicht die Liebe Gottes, aus des Widerspenstigen Sicht der Zorn Gottes - das sich selbst zerstörenwollende Wesen, indem es in eine neue Ordnung eingebunden wird, also seinem Willen entgegen neu ausgerichtet wird...
Zorn Gottes und Gericht sind negative Bezeichnungen für das Empfinden des lieblosen Wesens.
Liebe und Barmherzigkeit sind Begriffe für dasselbe Verhalten Gottes für die selbst zur Liebe gewordenen Wesen.
Wenn ein 'Plusmehr' sich weigert, ein allgemeines Gericht als Barmherzigkeitsakt Gottes anzuerkennen, so fehlt es ihm an der rechten Liebe. Und wenn er gar die Liebe Gottes attackiert, welche uns darüber aufklärt und es in besserwisserischem Eifer als satanische Verlockung und Irreführung in Angst und Gebundenheit empfindet, so ist das nur sein Empfinden im Zustand seiner unvollkommenen oder fehlgerichteten Liebe, in welchem er sich seines mangelhaften Zustandes überführt sieht - und dies deshalb, weil er in dem Hochmut steht, die er den liebedurchglühten Gläubigen vorwirft, welche vertrauensvoll der Erlösung aus diesem schwierigen Erdentale harren und ihre Augen auf den Heiland richten, der sie vor dem Untergang retten wird.
Jesu Reich ist nicht von dieser Welt!
Hier ist das Reich des Widersachers, der seine ihm geraubten Geschöpfe zurückgewinnen will, die ihm in den Abgrund gefolgt sind. Wer hier ein ewiges Leben plant, ist in der Irre und Angehöriger des Gefesselten in den Klauen des Widersachers. - Diese Erde wird aus dem momentan unruhigen, chaotischen und verschmutzten Zustand gereinigt hervorgehen und wieder ein Paradies sein, aber auch wieder nur für eine gewisse Zeit, denn der Abfall stellt sich später wieder ein.
Jesu Reich ist ein Reich der Liebe, es ist des Vaters Reich, mit welchem Jesus eine Einheit eingegangen ist durch seinen Tod am Kreuz, in welchen Er sich von Menschen binden liess, um ihre Seelen zu befreien. Gott richtet die Erde, um das darin in der Tiefe harrende Geistige zu befreien und ihm den Gang über eine gereinigte Erde zu ermöglichen. Die Feinde werden ihrer Freiheit beraubt, von der sie Kenntnis haben, und in das Innere der Erde gebannt anstelle dessen, das nun die Erde betreten darf.
Das Gefangene erfährt die Barmherzigkeit Gottes, indem es zu freierem Wirken gelangt, das Widerspenstige erfährt die Barmherzigkeit Gottes, indem es aus der Spirale seines immer ärger werdenden Hasses herausgelöst und in ein neues Stadium des Werdens hineingestellt wird.
All unser Wissen ist Stückwerk!
Nur Liebe kann unsere Augen öffnen!
Und gegenüber dem allweisen und liebevollsten Wesen unseres Schöpfers ist etwas anderes als Liebe, Dankbarkeit und Demut eine Unart des überheblichen Geschöpfes!
Epidophekles