Re: Abendlicht


Endzeitprophetie

Geschrieben von Epidophekles am 26. September 2005 21:55:16:

Als Antwort auf: Re: Abendlicht geschrieben von albamireia am 26. September 2005 19:11:39:


Hallo Epidophekles,
vielen Dank für die schönen Morgen- und Abendbilder
und die entsprechenden Texte dazu. Gute Tages- und
Nachtzeit, erfüllt mit wachen und träumen - albamireia


*


Liebe Albamireia,
herzlichen Dank für Deine Aufmerksamkeiten!

Nun kann ich bei der Gelegenheit noch das Bild hinzufügen,
das im Morgenlicht-Beitrag nicht ganz am rechten Platz war:





Septembermorgen

Eduard Mörike

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fließen.




Die Morgen- und Abendbilder sind Fotos aus der letzten Zeit,
und auf einem ist sogar 'mein' Haus darauf.

Ein weiteres Gedicht:


ABEND


Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt -

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)




Das ist auch sehr eindrücklich,
mir gefallen die Gedichte von Rainer Maria Rilke.
Wenn der Wille zum Verstehen ist, sind sie sehr anregend und reich an Sinn.
Ich würde mich glücklich schätzen, so wie er schreiben zu können!
Gibt es noch jemanden, der so ähnlich schreibt?

Da weiss ich schon noch eine Person,
die auch liebevolle und sinnreiche Gedichte schreibt
und könnte bei fleissiger Übung verwandt mit Rilke werden.
Diese Person hat mir folgenden Text geschrieben
- und damit verabschiede ich mich für den Moment
und wünsche dir die Verwirklichung höchster Ziele!

Epidophekles









wir leben halt in einer Welt, in der alle alten Strukturen in Frage gestellt und
sehr vieles aufgelöst wird. Es kann nur das Echte Bestand haben und Grund
für das Neue werden. Es darf/muss losgelassen werden auf allen Ebenen.

Das ist dann häufig mit Schmerzen verbunden, möchte der Mensch doch
gerne Sicherheiten, um Bestätigung und Halt zu erleben in der Welt, die
sehr unbeständig ist, und oft schwankt der Boden unter den Füssen. Ver-
schiedene Dimensionen greifen ineinander, so dass das, was in der einen
richtig erscheint, in einer andern überhaupt nicht stimmt. Es wird somit
kaum möglich, im Äusseren das zu finden, was sich der Mensch erhofft.

Die Rückbindung an göttliche Kraft und Klarheit kann aber auch nur erfolgen,
wenn eine Öffnung in Liebe stattfindet, der Mensch sich hingibt, Angst auf-
gibt, was aber Mut erfordert, da die Gewissheit nicht im voraus da ist. Ist das
Herz rein genug, verfalle ich Fallstricken des Egos oder unguten Kräften, die
ganz anderes wollen? Verliere ich mich in Spekulationen, mit denen ich mich
identifiziere, statt wie durch einen Nebel hindurchzugehen und weiterzukommen
in lichtere Gefilde? Immer wieder gilt es innezuhalten und zu lauschen, den
Sinn für die Wahrheit zu stärken, Schritte zu machen und die Richtung zu
korrigieren, wenn ich merke, dass ich mich verirre und verfahre.


(Epi und der Baum)






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