Das Rätsel des Todes


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von Meer am 30. Juni 2005 21:28:37:

Gestern nacht ist Marthas Vater gestorben. Gegen ein Uhr, als ich gerade eingeschlafen war, wurde heftig an der Haustür geschellt, und ich hörte, wachgeworden, meinen Namen rufen. Ich erkannte Marthas Stimme, eilte nach unten und fragte, was los sei. Entsetzt stammelte sie, ihr Vater liege im Sterben. -"Komm! Ich bin mit der Mutter allein." - Ich beeilte mich, weckte Christine, und lief schleunigst zu der nahegelegenen Wohnung hin. Da war nicht mehr zu helfen. Der Mann war tot. Mit dem Arzt zusammen, der kurz darauf kam, versuchte ich alles. Aber das Leben war dahin. Dann habe ich mit einem andern zusammen die Leiche gebettet. Unterdes heulte auf der andern Seite der Straße ein Hund jämmerlich und unaufhörlich. Einige Stunden später kamen Marthas Brüder, und ich bin heimgegangen.

Ich werde den Anblick des Toten nicht los. Er hatte sich schlafen gelegt wie jeden Abend, er drehte sich um, seufzte tief und war tot. Was bedeutet das Leben, an dessen Ende der Tod steht, ein maßlos großes schwarzes Loch, in das einer nach dem andern hineinfällt wie ein Stein?

Es ist doch Unsinn, das Leben ernst zu nehmen, wenn es keine unsterbliche Seele gibt. Oh, die unerschütterliche Sicherheit des Glaubens! Aber ist der Glaube denn nicht nur ein schöner Traum, eine schöne Lüge, mit der man sich tröstet, an die man sich festklammert angesichts der schrecklichen Macht des Todes? Ist er Wahrheit, oder ist er nichts als Wahn?

Ich stehe ratlos vor den Rätseln. Wo kann ich die Wahrheit finden?



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