Nervöse Minuten
Endzeitprophetie
Geschrieben von Epidophekles am 02. Juni 2005 14:19:03:
Als Antwort auf: Erste halbe Morgenstunde geschrieben von Epidophekles am 26. Mai 2005 23:06:26:
Weil Artiana mit mir ist, sind wir frühzeitig bei der Post, von wo uns der Bus nach Herisau bringen wird. Ich bin sonst meist etwas knapp, weil ich die Zeit gerne etwas davonrennen lasse. Schon oft fragte ich mich, wie das bei meinem Lebensende aussehen würde: ob ich dann bereit sei und die notwendige Reife erlangt und auch die Aufgaben einigermassen erfüllt hätte ...Gut, dass wir noch einige Zeit haben, fast 10 Minuten. Ich gehe über die Strasse und fotografiere einige Male die Himmelslandschaft, gehe auch nochmals zurück des Weges, den wir kamen und will die "Fortschritte" der Sonne auffangen. Bereits befahren Autos die Strasse, so dass ich Bedenken habe, ob die Kolonne mich vielleicht noch verhindern könnte, die rechte Strassenseite, wo der Bus anhält, zu erreichen ...
Hier ein Bild vom Standort bei der Bushaltestelle:
Schon bald trifft der Bus ein, wir sind bereit und steigen ein. -
"Guten Morgen!" - Es sind, ich weiss nicht mehr genau, etwa drei Personen drin.
Los geht die Fahrt, wir werden chauffiert; nun sind auch wir wieder fremden Führungskräften überlassen ...
Sehr bald und plötzlich taucht ein Bild auf, das mir gefällt.
Ich springe auf und schiesse dieses Bild:
Die Fahrt geht gut voran. In der Alpenstadt geht’s nochmals aufwärts.
Der Hang auf der anderen Talseite hat schon Sonne, die Häuser stehen freundlich Licht.
Ich mache mir irgendwelche Gedanken in den Tag hinein.
Teils frage ich zurück, ob ich alles Notwendige bei mir hätte, wo ich das Ticket versorgt habe und so. Könnte ja sein, dass ich im Eifer irgendetwas vergesse. Ich bin mir auch nicht so gewohnt, zu reisen. Dies ist ein ganz besonderer Tag. Und wenn wir auf Reisen gehen, geschieht es normalerweise mit dem eigenen Auto. Jetzt aber müssen wir alles stets bei uns tragen.Wir sind am Bahnhof. Ich weiss, dass der Zug um 6.08 Uhr abfährt, jetzt ist es punkt 6.00. Wir steigen aus dem Bus. Der Bus fährt – oppla – da fragt mich Artiana aufgeregt, wo ich meinen Rucksack hätte. Nein, der Bus ist noch da, der Chauffeur hat die Türe auch noch nicht geschlossen, ich springe etwas durcheinander nochmals hinein, erfasse meinen Rucksack, lache, entschuldige mich und - hoppla - bin ich wieder draussen ... Ich bin wahrlich etwas durcheinander und nehme wahr, dass ich nicht so ganz bei mir und der äusseren Wirklichkeit bin; es ist auch eine eigene Zeit, so früh unterwegs und mit der Welt, der irdischen, konfrontiert zu sein... Nun kann ich auch nicht nach zwei, drei Stunden geistiger Arbeit nochmals ausspannen, mich hinlegen und hingeben und Träume auf mich zukommen lassen, wie es die letzte Zeit möglich war. Ich sinne beim Warten auf den Zug darüber nach, beobachte die Morgenstimmung, studiere die Leute, sehe den Beton, die Unterführung, die Häuser, das Licht, und höre die Geräusche – alles etwas anders als bei mir im geschützten Zuhause, etwas fremd, wie damals, als ich 20 war, nach der Lehre, etwas fremd, die Pflichten, das Unterwegssein, die Arbeit ... nicht ganz dem entsprechend, was die Seele eigentlich ersehnt. Meine Welt in mir und die äussere, die so weit weg erscheint und jetzt doch erste Priorität hat, wenn wir uns in ihr bewegen und zurechtfinden wollen, haben Hemmungen, sich zu finden ... Ich muss mich ein wenig zusammennehmen, den Weg entschlossen weiterzugehen, die Reise annehmen und muss übliche Gedanken und stille Beschaulichkeit verdrängen. Solche inneren Vorgänge und äusseren Bedingungen führen zu einer etwas nervösen Verhaltensweise, ständig habe ich etwas zu beobachten und dazu zu bemerken und bin irgendwie der Meinung, dass etwas Spass auflockernd sei ...
Der Zug fährt ein.
Wenige Leute steigen aus. Mehr haben gewartet und mit uns zusammen geht es nun weiter nach Rapperswil. Ich suche für Artiana und mich einen Fensterplatz. Nur – welche Seite? Wir wollen ja den schönsten Teil der Landschaft sehen und ich will fotografieren. - Wir nehmen rechts Platz.Schon bald stelle ich unangenehmerweise fest, wie schnell die Bilder vorbeifliegen. Beim Versuch, zu fotografieren, muss ich beachten, dass ich mich vorausschauend bereit halte. - Und trotzdem ist plötzlich die Böschung, Wald oder ein Strommast vor dem Bild. Und wenn ich mit meinen Augen eine ruhige Stimmung erfasse, nimmt die Kamera die Drähte der Hochspannungsleitung mit auf ... und die Wolke, die als Streifen den bedeckten Horizont ziert und mir so gut gefiel, verliert sich dahinter. Ich weiss gar nicht, warum ich solches fotografiere, wenn ein Bild in meiner Seele eine Empfindung auslöst, zum Beispiel hier der Nebel unten und oben die Wolke wie eine Wiederholung, ein Spiegel oder eine Antwort ...
Vielleicht kann ich zuhause Ausschnitte davon verwenden ...
oder mit Korrigieren noch etwas zuwege bringen.
Wir werden sehen. Die Reise geht weiter.
Das Bild habe ich jetzt bearbeitet.
Es dauerte einige Zeit, um es so weit zu bringen.
Darum schliesse ich für heute ab und zeige das korrigierte Foto.
Zeit der Aufnahme: 06.11 Uhr.
Weiter geht die Erzählung, wenn ich wieder dazu komme.
- Zwischenhalt - auf dem Vierwaldstättersee (o/t) Epidophekles 17.6.2005 14:37 (0)
Endzeitprophetie