Standhaftigkeit: Bruder Klaus und Abraham
Endzeitprophetie
Geschrieben von Epidophekles am 30. Mai 2005 17:34:58:
Als Antwort auf: Vortrag Rüdiger Dahlke, Schengen und Gesundheitswesen geschrieben von Epidophekles am 28. Mai 2005 08:13:30:
Zur Zeit stosse ich verschiedentlich
auf Unterstützung meiner Ansicht,
dass man seinem Ideal treu sein soll
und sich davor hüten soll, um der Anerkennung
und des Erfolges willen Zugeständnisse an Halbheiten
oder gar Verkehrtheiten zu machen.
Es ist bei Tolstoi so,
bei Blaise Pascal, von dem ich
gerade jetzt wieder lese,
und bei Bruder Klaus,
auf den ich heute wieder gestossen bin.
Gott verlangt bereits vom jungen Niklaus, er solle ausziehen. Und dieser zieht sich aus den Spielen der Kameraden zurück, um zu beten. Er legt sich schon früh Fasten und Opfer auf, um Gott ergeben zu sein. Der junge Rottmeister lässt sich nicht von Beutegier und Mordlust treiben, sondern hält seine wilde Horde an, Menschen und Häuser zu schonen. Der Richter distanziert sich von der Käuflichkeit seiner Kollegen und geht den unbequemen Weg der Gerechtigkeit. Der Ratsherr lässt sich nicht bezahlen, Söldner anzuwerben. Und als Pfarrgenosse von Sachseln führt er einen Prozess gegen den eigenen Pfarrer, weil dieser ungebührliche Forderungen stellt.
Niklaus von Flüe ging zu jeder Zeit den Weg seines Gewissens und lehnte sich gegen die Machenschaften seiner Mitbürger auf. Er stand oft im Gegenwind. Schon als Rottmeister und als Politiker musste er ‚ausziehen’.
Bruder Klaus war (wie auch Abraham) getragen vom Gedanken: ‚Gott ist mein Vater. Ihm vertraue ich mich an. Ihm zuliebe gebe ich alles hin, ihm zuliebe ziehe ich aus.’
Das Einverständnis von Frau Dorothea und der Kinder bedeutete Bruder Klaus sehr viel. Jahre später erzählte er seinem Freund Erni Anderhalden, dieses Einverständnis sei das grösste Geschenk, das er Gott zu verdanken habe.
Abraham verzichtet auf Heimat und menschliche Einsicht, selbst auf den leiblichen Sohn, die erfüllte Verheissung Gottes. Aber nun hält Gott seine Hand und schenkt ihm den Sohn zurück, den er opfern will.
Auch Bruder Klaus gibt alles, was ihm lieb und teuer ist. Aber Gott sagt ihm: ‚So will ich es nicht! Du sollst ein ‚Aussteiger’ sein auf deinem eigenen Grund und Boden, bei deiner angestammten Familie, in deinem Land und unter deinem Volk, dort, wo du Deine Wurzeln hast.’
Ich habe manchen Aussteiger kennen gelernt: Der eine aus den 68er-Jahren lebt exotisch auf einem Kanalschiff in Südfrankreich. Einen andern zog es nach Mittelamerika, wo er heute als Bauer lebt. - Wir werden nicht auf diese Weise aussteigen. Wir bleiben in unserem Arbeitsfeld, in Sippe und Familie, Dorf und Pfarrei und haben dieses Stück Welt zu gestalten. Aber ausziehen – in einem geistigen Sinne – das müssen wir alle ohne Ausnahme. -
Ausziehen müssen wir, wenn wir unseren persönlichen Lebensweg suchen wollen.Ein Vorwurf trifft vor allem die ältere Generation: ‚Früher musste man! Man konnte nicht anders!’ Der Vater schlug mit der Faust auf den Tisch; und das bestimmte den Alltag. Diese Faust ist heute weg. Aber an ihre Stelle ist eine psychologisch ausgeklügelte Manipulation getreten.
Ich wünsche Ihnen eine grosse Selbstsicherheit, dass Sie Ihren Weg suchen und finden, auch wenn Sie allein sind oder belächelt werden. Ich wünsche Ihnen ein ebenso grosses Gottvertrauen, dass Sie aus dem Bewusstsein heraus leben: ‚Christus ist auch für mich Weg, Wahrheit und Leben’ (Jh 14. 6).
(Pater Josef Banz)
Endzeitprophetie