Katharina von Genua 8. Kapitel
Endzeitprophetie
Geschrieben von Epidophekles am 16. April 2005 11:04:36:
Als Antwort auf: Katharina von Genua 7. Kapitel geschrieben von Epidophekles am 20. März 2005 21:09:43:
8. KAPITEL Der Friede durch die Gottesliebe
Der Herr:Der Zustand dieser Seele ist folgender:
Sie bewahrt stets ein großes Feingefühl, das es ihr unmöglich macht, auch nur den Schatten eines Fehlers in ihrem Bewußtsein zu tragen. Denn die reine Liebe verträgt sich mit keiner noch so geringen Unvollkommenheit. Die liebende Seele könnte dies nicht ertragen, es wäre eine fast höllische Pein für sie.
Da aber der Mensch in diesem Leben nicht fehlerlos bleiben kann, hält Gott die Seele eine Zeit lang in Unwissenheit über ihre eigenen Fehler, da sie dieselben nicht ertragen könnte. Zu anderen Zeiten gibt er ihr dann wieder die Erkenntnis eines jeden Fehlers und läutert sie auf diese Weise.
Kommt einer solchen Seele plötzlich der Verdacht, daß eine Sünde in ihr sei, so hat sie keine Ruhe, findet keinen Frieden, bis sie sich nicht ganz klar darüber geworden ist.Die Seele, die im Frieden der Liebe lebt, hält es nicht aus, mit sich selbst noch mit anderen in Unfrieden zu geraten. Wäre jemand mit ihr in Unfrieden, so würde sie nicht rasten noch ruhen, bis sie sich nach besten Kräften wieder mit diesem Menschen versöhnt hat.
Wenn eine Seele, die an die göttliche Liebe gewöhnt ist, durch irgendeinen Umstand, den Gott zuläßt, der göttlichen Liebe fern ist, dann ist dieser Zustand für die Seele fast unerträglich. Sie fühlt sich aus dem Paradies vertrieben, in dem sie zu wohnen gewohnt war. Wenn Gott die Seele nicht in ihren vertrauten Zustand zurückführen würde, so wäre es ihr fast unmöglich weiterzuleben.
Die Seele lebt in großer Freiheit und gibt sich wenig Rechenschaft über die irdischen Dinge. Sie ist fast immer entrückt, besonders wenn sie sich dem Ende ihres Lebens nahe fühlt. Dann ist sie schon ganz frei von allem Irdischen und lebt ganz versunken in jener Liebe. Die Seele hat schon durch lange Erfahrung gesehen, daß Gott durch die Einwirkung seiner gnadenvollen Liebe die Sorge für Leib und Seele seiner Geliebten übernommen hat und es an nichts hat fehlen lassen.
Gott hat der Seele auch gezeigt, wie alles Gute - sei es geistiges oder zeitliches -, das ihr von den Geschöpfen erwiesen wird, ihr nur deshalb zuteil wird, weil Gott jene dazu bewogen hatte. So klar ersichtlich wird ihr das, daß bei jeder Wohltat, die ihr durch ein Geschöpf zuteil wird, sie nicht mehr seiner achtet. Zu deutlich erkennt sie dazu Gottes Werk und seine Vorsehung. Durch diese Einsicht wird die Seele immer mehr entflammt und vernichtet, bis sie sich zuletzt ganz jener Liebe überläßt und alles Erschaffene zurückläßt. Und Gott erfüllt sie mit einer solchen Befriedigung, daß sie nichts anderes mehr sehen, nichts anderes mehr beachten kann.
Und sollte es dir so vorkommen, als habe ein solches Geschöpf irgendeine äußere Zuneigung, so glaube nicht daran. Halte es vielmehr für unmöglich, daß eine andere Liebe in sie eindringen könne als die Liebe zu Gott, außer Gott läßt es zu wegen irgendeines Bedürfnisses der Seele oder des Leibes. Dann wäre dies, da es aus jener Liebe heraus geschähe und durch jene Vorsorge gegeben wäre, keine Beeinträchtigung der reinen Liebe. Das Innerste des Herzens würde es nicht berühren. Es wäre nur um jener Notwendigkeit willen von Gott so zugelassen.
Die reine Liebe muß frei sein von jeder inneren oder äußeren Abhängigkeit; denn wo der Geist Gottes wirkt, da ist die Freiheit.
O wer die süßen Wechselbeziehungen sehen, die glühenden Worte hören und jene freudige Kraft empfinden könnte, in der sich Gott und Mensch nicht mehr unterscheiden lassen! Das Herz ist so erfüllt davon, daß es ihm gleich einem kleinen Paradies dünkt, das Gott als Vorgeschmack des wahren und großen Paradieses schickt.Es ist ein mächtiger Liebesbeweis, wie ihn nur die kennen, die liebend im Meer der göttlichen Liebe untergetaucht und versunken sind.
O Liebe, das Herz, das du besitzest, ist durch den in ihm wohnenden Frieden so großmütig und erhaben, daß es viel lieber im Einklang mit der Liebe ein großes Martyrium auf sich nehmen als ohne dieselbe irgendein Gut des Himmels oder der Erde besitzen wollte! Und doch wird dieser Friede von dem geschätzt, der ihn erfahren und gekostet hat.
Ein Herz, das in Gott ruht, sieht alle geschaffenen Dinge unter sich. Nicht aus Hochmut oder Größenwahn, sondern durch die Vereinigung mit Gott, derentwegen es ihm scheint, als ob alles, was Gottes ist, auch ganz sein eigen wäre. Es sieht nichts anderes als Gott, kennt nichts anderes, versteht nichts anderes.
Ein Herz, das von Liebe zu Gott entbrannt ist, kann nicht besiegt werden, weil Gott seine Stärke ist. Du kannst es weder mit der Hölle schrecken, noch mit dem Paradies locken. Sein Zustand ist so, daß es alles, was ihm widerfährt, aus der Hand Gottes annimmt. Mit Gott bleibt es allen Ereignissen und dem Nächsten Gegenüber im Frieden. So ist das Herz von Gott in sich geordnet und gestärkt.
Die Seele:
O Liebe, wie nennst du diese deine geliebte Seele?
Der Herr:Ego dixi dii estis et filii exelsi omnes. *)
Die Seele:
O Liebe, du vernichtest die, welche dich lieben in ihrem eigenen Selbst und stellst sie dann in dir wieder her als freie Wesen in der wahren und vollkommenen Freiheit! Sie sind sodann Herren ihrer selbst und wollen nichts anderes als das, was Gott will. Alles übrige ist ihnen eine schwere Last.O Liebe, ich finde keine Worte, die geeignet wären, deine gütige und erquickende Herrschaft, deine starke und sichere Freiheit, deine so anmutige und liebliche Holdseligkeit auszudrücken!
Aber was immer der wahre Liebende über diese Liebe spricht und sprechen kann, es erreicht nie das, was er im Grunde seines Herzens sagen will. Er sucht nach Liebesworten, die der Liebe angemessen wären, aber er findet sie nie. Denn die Liebe ist unendlich in ihrem Wirken, und unsere Sprache ist nur endlich und sehr schwach. Nie kann sie sich genugtun.
So bleibt der Mensch verwirrt, weil er nicht ausdrücken kann, was er möchte.Doch wenn auch alles, was man sagen kann, nichts ist, so erholt sich der Mensch doch etwas, wenn er von dem spricht, was er im Herzen fühlt, um nicht vor Liebe sterben zu müssen.
Was sagst du, mein Herr, von dieser auserwählten Seele, die so in dich verliebt ist?
Der Herr:Ich sage, daß sie ganz mein ist. Du aber, Seele, was sagst du von dieser Liebe?
Die Seele:
Von Liebe verwundet sage ich: Ich gehöre meinem Gott und lebe in ihm freudig und zufrieden.
*) „Ich habe gesagt, ihr seid alle Götter und Söhne des Himmels."
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