Re: Katharina von Genua 1. Kapitel
Endzeitprophetie
Geschrieben von Epidophekles am 17. März 2005 14:49:56:
Als Antwort auf: Katharina von Genua 1. Kapitel geschrieben von Epidophekles am 17. März 2005 14:44:10:
2. KAPITEL
Die Begegnung mit der Liebe Gottes
Die Seele:
O Zunge, warum redest du, da du doch keine Worte findest, die der Liebe entsprechen, die mein Herz empfindet?
O Herz, von Liebe entflammt, warum verzehrst du den Leib nicht, in dem du dich befindest?
O Geist, was tust du noch hier, gebunden an die Erde? Merkst du nicht die Gewalt der Liebe, mit der Gott dich an sich zieht und nach dir verlangt? Zerbrich diesen Leib, damit jeder von euch an seinen Ort gelange!Als Gott die Seele in solch maßlosem, großen Feuer entbrannt sah und sie darin ein wenig festhalten wollte, zeigte er ihr einen Funken jener Liebe, mit der er den Menschen liebt. Ein einziger Funke dieser Liebe ist so rein, so einfach und so lauter, daß die ihn wahrnehmende Seele überrascht, erstaunt und wie außer sich war. Es schien ihr, sie sei im Paradies.
Der Herr:
Was hast du, daß ich dich so verwandelt sehe?
Was hast du Neues gesehen?
Was hat dich in einen solchen Liebesbrand versetzt?
Früher schien es, als müßtest du deinen Leib zerbrechen, um deine Liebe zu finden. So groß war die Lust, so süß der Genuß, den du in der Gesellschaft vieler deiner Freunde fandest, die mit dir durch das Band der einen süßen und freudevollen Liebe geeint waren. Und jetzt sehe ich dich verschlossen und verlassen, und es scheint, als wollest du niemand mehr kennen.
Früher pflegte diese Seele häufig mit vielen ihrer geistigen Freunde Gespräche über die göttliche Liebe zu führen. Und es schien ihnen dann, sie seien im Paradies, sowohl alle zusammen als jeder für sich.
O, welch schöne Gespräche führten sie! Der Redende wie der Hörende, jeder erfreute sich an stärkender, köstlicher, geistiger Speise. Und da die Zeit so rasch verflog, konnten sie sich gar nicht sättigen. Ganz entzündet und entbrannt mußten sie innehalten, da sie nicht mehr zu reden vermochten.
Noch weniger aber konnten sie sich voneinander trennen, sie schienen wie außer sich zu sein.O, welch genußreiche Nahrung, welch gnadenreiche Vereinigung, welch göttliche Gesellschaft!
Man sprach von nichts anderem als von der göttlichen Liebe und ihren Wirkungen und von den Mitteln, ihre Hindernisse zu entfernen.
Es war klar ersichtlich, daß alles, was hier unter ihnen sich vollzog, ganz für Gott und zum Heil der Seelen geschah. An anderes vermochte man gar nicht zu denken.
- Katharina von Genua 3. Kapitel Epidophekles 18.3.2005 08:05 (9)
- Katharina von Genua 4. Kapitel Epidophekles 19.3.2005 14:31 (8)
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