Tadel an der kath. Kirche - RB 2
• Gerichtszeit
Geschrieben von 'Jakob Lorber' am 21. Juni 2004 12:44:09:
Aus "Robert Blum", Bd. 2
von Jakob Lorber[RB.02_229,07] Heißt denn das Gott dienen, so man vor geschnitzten Bildern die Knie beugt, um dem Volke vorzuspiegeln, daß man selbst daran glaube, während man von hochgeistlicher Seite nicht ein Jota glaubt von allem, was man dem Volk aufbürdet. Ihr seid es, von denen Christus im Tempel sagte: ,Ihr bürdet den Armen und Schwachen unerträgliche Lasten auf, aber ihr selbst wollt sie nicht mit einem Finger anrühren. Ihr schützt den armen Witwen und Waisen lange Gebete vor, auf daß sie könnten ins Himmelreich kommen – ein Reich, an das ihr noch nie geglaubt habt – und verzehrt dafür ihre Häuser und ihr Vermögen! Ihr seid es, die da Mücken säugen und dafür Kamele verschlingen! Dafür soll aber auch desto mehr Verdammnis über euch kommen!‘
[RB.02_229,08] Euer Gottesdienst muß allzeit ein Greuel vor Gott gewesen sein, denn Christus Selbst hat ausdrücklich gesagt: ,Was ihr den Armen tut, das tut ihr Mir!‘ So ich aber an einem Sonntag nicht in euren Gottesdienst ginge, besuchte aber dafür die Armen und täte ihnen Gutes, so würdet ihr mich richten! Wessen Diener aber seid ihr, so ihr den wahren, von Gott Selbst klar bestimmten Gottesdienst richtet? – O ihr Toren! Was ist denn vor Gott besser: das tun, was Er Selbst geboten hat, oder Ihn mit den Lippen ehren, das Herz aber ferne halten? Wann habt ihr wohl Gott gedient, da ihr Sein Wort und Sein Gesetz noch nie angenommen habt?
[RB.02_229,09] Ihr habt an Christus nie geglaubt, denn sonst hättet ihr getan, was Er gelehrt hat! Nur eure Satzungen waren euch ein kostbares Bild, zu dem Christus bloß einen abgeschabten Rahmen abgeben durfte. O ihr schändlichen Volksbetrüger, ihr haltet euch Göttern gleich und verdammt das Wort Gottes, so es nicht für euren Beutel taugt!
RB.02_229,10] O ihr Heuchler! Warum enthaltet ihr denn das reine Wort Gottes den Gläubigen vor? Seht, des Geldes wegen tut ihr das und aus Furcht, das Wort Gottes könnte dem Volk die Augen öffnen und euch entlarven vor ihm! Darum verbietet ihr es, und weil ihr selbst es nicht glaubt! Aber darum kommt das Wort doch unters Volk, und dieses kennt jetzt nur zu gut, wessen Geistes ihr seid!
[RB.02_229,11] Greift mich, so ihr es euch getraut! Warum zaudert ihr denn? Ich werde der Eminenz sagen, worin der Grund davon steckt! – Die Eminenz hat nun, da ich so frei war, Ihre Schande und Bosheit vor jenen Ehrenmännern aufzudecken, die sogenannte Spitzbubenangst bekommen und traut sich nichts mehr gegen einen Mann zu unternehmen, der Ihr in Kraft und Verstand überlegen ist!"
[RB.02_230,01] Spricht ein dem Kardinal zunächst stehender Pfaffe: „Elender! Nur der unendlichen Sanftmut und Geduld der alleinheiligen und seligmachenden Kirche hast du es zu danken, die im stillen für dich verlorenes Schaf zu Gott betete, während du dich bemühtest, ihr tödliche Stiche beizubringen! Höre aber nun auf, die festlich geschmückte Braut Gottes zu verunglimpfen, sonst wird die Kirche dich in ihrem Gebete um dein Seelenheil fallen lassen! Dann wird sich der Erdboden unter deinen Füßen öffnen und dich auf ewig verschlingen!"[RB.02_230,02] Hier fängt der Kirchendiener hell zu lachen an und sagt dann ganz lakonisch: „O du sanftmütiges Mutterl du! Gelt, wenn sich mit der höllischen Grausamkeit und darauf mit der Dummheit nichts ausrichtet, dann wird der Wolf wieder in das Lammfell eingenäht und muß ein sanftes Gesicht machen? O über so eine Sanftmut und Geduld geht doch wohl nichts!
[RB.02_230,03] Wie sanft ist die Kirche geworden bei den berühmten Kreuzzügen! Wie freudig hat sie die verlassenen Witwen und Waisen, deren Männer sie im Morgenlande durch die Sarazenen umbringen ließ, in Klöster aufgenommen, nachdem sie sich vorerst ihre Güter und Schätze schenken ließ..."
(Die Szene spielt sich in der Geisterwelt ab)[RB.02_230,04] sagt ein Pfaffe dazwischen: „Das ist erlogen! Wir leben noch alle in der Welt, denn sonst müßten wir uns entweder in der Hölle, im Fegfeuer oder gar im Himmel befinden!"
[RB.02_230,05] Spricht der Kirchendiener: „Wir sind einmal in der Geisterwelt, ob ihr es glaubt oder nicht. Und darum sage ich: Als ich noch auf der Welt war, glaubte ich der Kirche auch so manches. Als aber die Nachrichten von der heiligen spanischen Inquisition kamen, wie zart und sanft sie daselbst mit ihren verlorenen Lämmern umgehe, da habe ich ganz andere Begriffe bekommen. Was haben denn Hunderttausende verschuldet, daß sie so grausam zur höheren Ehre Gottes verbrannt werden mußten? So fragte ich ganz erstaunt, und die Antwort lautete schroff: ,Weil sie die Bibel gelesen haben und somit zu verdammlichsten Ketzern geworden sind!‘ – O Herr! rief ich in mir aus, ist es denn möglich, daß Menschen, die sich um Dein heiligstes Wort bewarben, von den römischen Mördern solch einen Lohn finden müssen? Herr! Hast Du keine Blitze und keine Sündflut mehr, um Spanien und Rom zu vertilgen für ewig?
[RB.02_230,06] Die Antwort Gottes kam langsam aber sicher aus den hohen Himmeln. Ich erlebte sie auf der Erde zwar nicht mehr, dafür aber desto heller in dieser Geisterwelt. Wo ist hier das stolze, übermütige Rom? Was ist nun der Papst? Bis auf einige wenige stockblinde Esel, die ihm, dem stolzen Stellvertreter Gottes, noch anhängen, lacht man ihm hier ins Gesicht.....
[RB.02_230,07] Schon fängt man selbst in Italien an, einen Erzbischof um den andern einzunähen, und das mit vollstem Recht! Diesen Herrschern gebührt nichts anderes; denn sie waren allezeit die größten Feinde der Menschheit, dafür aber desto größere Freunde des Goldes und Silbers.
[RB.02_230,08] Petrus, als dessen Nachfolger sich ein jeder Papst ausposaunt, sagte einst zu einem armen Teufel, der ihn um ein Almosen anging: ,Gold und Silber habe ich nicht; aber was ich habe, das gebe ich dir!‘ Würde das wohl auch ein Papst einem Armen sagen? So ein sauberer Nachfolger Petri könnte nur sagen: ,Ich habe zwar Gold und Silber im Überfluß, aber das gebe ich dir nicht, sondern meinen apostolischen Segen, der mich nichts kostet! Und dann fahre hin in Frieden! So du unterwegs auch vor Hunger stirbst, wird deine Seele dennoch nach einem dreitägigen Fegfeuer sogleich ins Paradies kommen, wo es ihr dann gut genug geht!‘
[RB.02_230,09] Hat der große Paulus nicht geeifert wie ein Löwe wider die verbrämten Kleider sowie über jede Würde, die sich die Menschen nur zu gern beilegen? – Wann hat Christus, der Selbst sagte ,Gott ist Geist und muß daher im Geist und in der Wahrheit angebetet werden‘ – anbefohlen, Tempel und Bethäuser um teures Geld zu erbauen und dafür tausende Arme verhungern zu lassen? – Welcher Apostel hat die lateinische Sprache denn zur göttlichen erhoben? Als ob Gott der Herr, der sicher alle Sprachen versteht, bloß an der lateinischen das größte Wohlgefallen hätte! Beweiset mir das aus der Schrift, dann will ich's euch glauben! Könnt ihr das aber nicht, so seid ihr leibhaftige Antichristen!"
[RB.02_230,10] Sagt darauf ein vor geheimer Wut schnaubender, sehr alter Erzbischof: „Hat Christus der Herr nicht Seiner Kirche, d.h. Petrus und dessen Nachfolgern, vor Seiner Auferstehung die ausschließende Macht gegeben, zu lösen und zu binden?! Er hauchte Seine Apostel an und sprach: ,Nehmet hin den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sollen sie auch erlassen sein; denen ihr aber die Sünden vorenthalten werdet, denen sollen sie auch vorenthalten sein!‘ – Und ein anderes Mal sagt Jesus ebenfalls zu Seinen Aposteln: ,Was ihr lösen oder binden werdet auf Erden, soll auch im Himmel gelöst oder gebunden sein!‘ – Ich meine, darin liegt Beweis zur Genüge, daß es der wahren Kirche von Gott aus ganz rechtlich zusteht, neue Gesetze zu geben, so sie es für nötig erachtet, und andere, selbst von Gott dem Herrn gegebene aufzuheben, so sie sieht, daß sie unter gewissen Verhältnissen dem Heil der Seelen nicht gedeihlich sind...."
[RB.02_230,12] Sagt der Kirchendiener: „Aus der Heiligen Schrift waren die zwei angeführten Texte wohl; nur haben sie alles eher bewiesen als das, was Eure Eminenz damit gerne bewiesen hätten. Hätte Christus, der Herr, auf die Art, wie Eure Eminenz es auffassen, der Kirche eine Vollmacht erteilen wollen, da hätte Er nicht nötig gehabt, drei volle Jahre die Apostel und noch viele andere Jünger das große Gesetz der Liebe, das Gesetz des Lebens und die großen Geheimnisse des Himmelreiches zu lehren. Sondern da würde Er bloß Seinen Aposteln ohne vorhergehenden Unterricht die Macht erteilt haben, daß sie als von Ihm Aufgenommene nun tun könnten, was sie wollen, wobei dem Vater im Himmel alles vollkommen recht wäre.
[RB.02_230,13] Wie es sich bei der römischen Kirche zeigt, ist eben in dieser Kirche außer dem Namen des Herrn und Seiner Jünger nichts mehr von Seiner Lehre anzutreffen – keine Demut, keine Sanftmut, kein Funke von einer Geduld und noch weniger von einer Liebe zum Nächsten! Vom Glauben reden wir ohnehin keine Silbe mehr. Von einem Glauben an die Macht des Goldes und des Silbers ja, der steht noch fest. Was müßte alles geschehen, um einen Papst einmal zu dem Glauben zu bringen, daß das Reich Gottes nicht in den großen Schätzen der Welt, sondern allein nur in denen eines reinen, demütigen, mit Liebe erfüllten Herzens besteht!
[RB.02_230,14] Die Machtbefugnis, die der Herr Seinen Jüngern scheinbar erteilt hat, war und ist nur eine des Heiligen Geistes Gottes im Menschen. Wer nach dem Worte Gottes lebt, durch das alle Dinge und Wesen gemacht worden sind, den überkommt auch der Geist Gottes. Denn Gottes Wort ist eben der Heilige Geist, aus dem Mund Gottes in alle Menschenherzen übergehend, die das Gotteswort werktätig in sich aufnehmen. – Mit solchem Besitz des Gottesgeistes, der mein Herz zu einem Tempel der tiefsten Weisheit aus Gott macht, kann ich dann wohl zu einem sündigen Bruder, der Reue und Besserung zeigt, sagen: ,Deine Sünde ist dir vergeben!‘ Ist er aber hartnäckig und will von der Falschheit und Bosheit nicht lassen, so kann der vom Gottesgeist Erfüllte auch sagen: ,Freund, bei deiner bösen Beharrlichkeit kann dir die Sünde nicht erlassen werden!‘ – Aber zu glauben, man empfange den Heiligen Geist durch gewisse sakramentliche Zeremonien wie die nichtige Wassertaufe, die Backenstreichfirmung und gar die sogenannte Priesterweihe, – das hat nichts als eine unerträgliche Kastenbildung zur Folge, von der der Heilige Geist ferner ist, als Himmel und Erde voneinander abstehen...."
[RB.02_231,01] Nach dieser Rede kratzt sich die Eminenz, aber nicht der Großdienstbare, bei den Ohren und sagt nach einer Weile zu seinen Kollegen: „Dieser Kirchendiener ist ein ganz verdammter Kerl! Bei meiner armen Seele, so ich kein Kardinal wäre, möchte ich ihm beinahe recht geben. Aber als Kardinal kann man sich doch nicht von einem Mesner belehren lassen!"
- Verweis ins Proph-Forum - Geistliche Hure Epidophekles 09.7.2004 15:53 (13)
- Re: Verweis ins Proph-Forum - Geistliche Hure Johannes 10.7.2004 00:28 (0)
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- Re: Wer gegen andere hetzt, schürt Hass und ist kein Christ! Epidophekles 21.6.2004 23:12 (4)
- Re: Wer gegen andere hetzt, schürt Hass und ist kein Christ! Zasty 22.6.2004 12:40 (3)
- Jesus im Tempel ... die Haselnuss 27.6.2004 00:40 (0)
- Die Wahrheit schaut den Irrtum nicht an? Epidophekles 23.6.2004 02:24 (1)
- @Zasty: Hast du ein gutes Wort? Epidophekles 26.6.2004 09:16 (0)
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