Re: Juschtschenko und Timoschenko


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von Epidophekles am 07. Februar 2005 15:13:33:

Als Antwort auf: Juschtschenko und Timoschenko geschrieben von Epidophekles am 26. Januar 2005 02:16:49:

«Risikobereit»

Ziel von Julia Timoschenko sei eine Ukraine mit Gerechtigkeit. Dies sagt Dmitri Wydrin, Direktor des Europa-Instituts in Kiew und früherer Berater der Regierungschefin.


Präsident Juschtschenko hat die nationale Aussöhnung zum Hauptthema seiner Inaugurationsrede gemacht. Ist Julia Timoschenko dabei nicht ein Hindernis, wenn man zum Beispiel an die Oligarchen in der Ostukraine denkt, welche sie fürchten?

Dmitri Wydrin: Juschtschenko sieht Timoschenko als eine Inquisitorin, aber sie wehrt sich dagegen. Sie hat überall verbreitet, dass sie, einmal an der Macht, nicht bestrafen, sondern etwas aufbauen wolle. Die Oligarchen, die an einem konstruktiven Prozess teilnehmen und die neuen Regeln anerkennen und deren Geschäfte nicht aufgrund ihrer Nähe zur Macht, sondern aus wirtschaftlichen Gründen florieren, diese Oligarchen werden keine Probleme haben.


Julia Timoschenko ist als Phänomen beschrieben worden. Wenn sie spricht, beginnen viele zu zittern. Wie erklären Sie das?

Wydrin: Julia Timoschenko ist eine Art Resonanzkörper für die Stimmungen des Volkes. Sie hat die einmalige Gabe, immer das zu sagen, was die Menschen von ihr erwarten. Und sie nennt die Dinge beim Namen, die für die Menschen wichtig sind. Vor fünf Jahren ging es um die niedrigen Gehälter, heute um die Korruption. Darum applaudieren ihr die Menschen. Ausserdem ist sie bereit, mit dem Volk zusammen Risiken einzugehen. Die Menschen haben absolutes Vertrauen in sie.


Was steckt hinter Timoschenkos Feuer und Charisma? Ihre eigentlichen politischen Überzeugungen sind bisher unklar geblieben.

Wydrin: Julia Timoschenko hat in ihrem Leben viele Provokationen erlebt. Sie ist im Gefängnis gewesen, ihr Mann war bis vor kurzem auch im Gefängnis. Dadurch ist sie zur Einsicht gekommen, dass es unmöglich ist, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Macht solche Sachen machen und ungeschoren davonkommen kann. Sie unterstützt die neue Macht aus politischen und ideologischen Gründen. Unterdrückung, wie sie unter der Herrschaft des bisherigen Präsidenten Kutschma möglich war, wird unmöglich werden.


Dennoch bleibt der Eindruck, dass vor allem Hass und Rache sie antreiben.

Wydrin: Mit alten Feinden wird sie nicht dem Kämpfen zuliebe kämpfen. Julia Timoschenkos Ziel ist es, soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen. So ist sie im Begriff, eine neue Institution zu gründen: ein Nationales Zentrum für Gerechtigkeit. Es soll ein Zentrum für eine stabile Gesellschaft werden; ein Zentrum, das alle zivilen Probleme löst und ein Kontrollmechanismus für die Bürgergesellschaft ist. Timoschenko verfolgt die Vision einer neuen Ukraine, in der es Gerechtigkeit und Solidarität gibt.


Heisst das, sie will eine neue rechtliche Struktur schaffen? Welche Rolle kommt dabei dem Generalstaatsanwalt zu?

Wydrin: Ja, sie möchte Zentren für Gerechtigkeit aufbauen. Die Generalstaatsanwaltschaft soll die Rolle übernehmen, die sie in allen zivilisierten Ländern innehat - und nicht ein Instrument für politischen Druck sein, wie das bisher der Fall gewesen ist.


Russland hält am Haftbefehl gegen Timoschenko fest. Ist sie eine Belastung für das ukrainisch-russische Verhältnis?

Wydrin: Die Aussage des russischen Generalstaatsanwalts Usti-now ist ein Zeichen für die fehlende politische Weitsicht der russischen Generalstaatsanwaltschaft. Als Timoschenko in der Opposition war, hat ihr der Haftbefehl viel Ärger bereitet. Aber jetzt bereitet Russland nicht der ukrainischen Ministerpräsidentin Probleme, sondern der russischen Regierung und russischen Politikern. Timoschenko erhält täglich Einladungen aus Europa und aus Ländern der GUS. Wenn ihre Beziehung zu Russland kompliziert wird, dann wird sich ihre Aufmerksamkeit mehr zum Westen hinwenden. Ich bin sicher, dass Päsident Putin das bald verstehen und der Generalstaatsanwaltschaft verbieten wird, sich in die Politik einzumischen.

Interview: Monika Jung-Mounib





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