Gedenken an Tiberius


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von Epidophekles am 07. Dezember 2004 11:23:00:

Als Antwort auf: Macht 1 – weltliche im Sinne Gottes geschrieben von 1870 NIOk BD am 06. Dezember 2004 23:59:44:

Antrag der Spanier auf den Bau eines Tempels

Tiberius hält im Senat eine mäßigende Rede, als die Spanier mit der Bitte vorstellig werden, ihm und seiner Mutter einen Tempel errichten zu dürfen.

Um dieselbe Zeit bat das jenseitige Hispanien durch eine Gesandtschaft an den Senat, nach dem Beispiel Asiens dem Tiberius und seiner Mutter einen Tempel erbauen zu dürfen. Bei dieser Gelgenheit hielt der Kaiser, teils weil er überhaupt stark genug war, um Ehren zu verschmähen, teils weil er denen einmal antworten zu müssen glaubte, durch deren Gerede er bezichtigt wurde, sich dem Ehrgeiz zugewendet zu haben, folgenden Vortrag:

"Ich weiß, versammelte Väter, dass viele an der Festigkeit meiner Grundsätze irre geworden sind, weil ich den Städten Asiens, die unlängst das selbe begehrten, nicht entgegen getreten bin. Darum will ich mit der Rechtfertigung meines früheren Schweigens zugleich auch eröffnen, was mein Entschluss für die Zukunft ist. Da der zu den Göttern gegangene Augustus nicht verwehrt hat, dass ihm und der Stadt Rom in Pergamus ein Tempel errichtet werde, folgte ich, der ich seine Handlungen und Reden allesamt wie ein Gesetz beobachte, dem schon gutgeheißenen Vorgang um so unbedenklicher, als mit dem Kult für meine Person auch die Verehrung des Senats verbunden sein sollte. Aber wenn es eine Entschuldigung finden mag, einmal angenommen zu haben, so würde es als Stolz und Anmaßung erscheinen, sich in allen Provinzen umher heiligen Dienst verrichten zu lassen. Auch verliert die Verehrung des Augustus allen Wert, wenn sie durch eine Schmeichelei, die keinenn Unterschied kennt, gemein gemacht wird.

Dass ich, versammelte Väter, ein Sterblicher bin, dass mein Wirken ein menschliches ist, und dass ich zufrieden bin, wenn ich meine Stellung als Kaiser ausfülle, bezeuge ich vor euch und will, dass die Nachwelt es wisse. Sie wird mein Andenken mehr als genug ehren, wenn sie findet, dass ich meiner Ahnen würdig, um euer Bestes besorgt, in Gefahren standhaft bin, auch vor Anfeindungen um des gemeinsamen Wohles willen nicht zurückbebe. Dies soll mein Tempel sein in euren Herzen; dies die schönsten, die unvergänglichen Bildnisse für mich. Denn was von Stein aufgeführt ist, wird, wenn das Urteil der Nachwelt in Hass übergeht, für nichts weiter geachtet als ein Grabmal. Deshalb bitte ich die Bundesgenossen, die Bürger, ja die Götter selbst, sie, die Götter, dass sie mir einen Sinn verleihen mögen, besonnen und verständig in allem, was vor Göttern und unter Menschen recht ist. Euch aber, dass, wenn ich früher oder später geschieden sein werde, ihr mit Lob und gutem Andenken mein Tun und meines Namens Ruf begleiten möget."

Auch später blieb er dabei, selbst in vertrautestem Gespräch, solche Verehrung seiner Person zurückzuweisen. Einige fanden darin Bescheidenheit, viele ein Zeichen, dass er nicht recht traue, manche auch Mangel an edlem Stolz. Strebten ja, hieß es, die besten der Sterblichen stets nach dem Höchsten. So sei Herkules und Liber bei den Griechen, Quirinus bei uns unter die Götter gerechnet. Besser habe Augustus getan mit seinem Hoffen. Alles übrige stehe den Kaisern sogleich zu Gebote, nach einem müssten sie unersättlich streben: dies sei ein gesegnetes Andenken. Denn mit Verachtung des Ruhmes werde auch die Tugend verachtet.

Deutsche Übersetzung nach: Strodtbeck, G.F. bearbeitet von E.Gottwein





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