Ja, Vater 1
• Endzeitprophetie
Geschrieben von P. Richard Gräf - Epi am 22. September 2004 03:53:34:
"DEIN WILLE GESCHEHE!"
(Mt 6, 10)Die Welt wird nicht durch Muskelkraft oder durch Heeresmacht, fondern durch die Macht des Geistes beherrscht und regiert. "Der Geist ist's, der lebendig macht" (Joh. 6, 63). Aus dem Geist Gottes entspringen die Gedanken, die Ideen, die alles erfassen und umgestalten. Ein einziger Gedanke, eine einzige Idee genügt oft, um den Anstoß zu den gewaltigsten Entdeckungen, Erfindungen und Eroberungen zu geben. In einem tiefen Gedanken, in einer großen Idee liegt eine ungeheure Macht, der auf die Dauer nichts wider stehen kann. Die großen Ideen einzelner haben der Menschheit ihren Weg durch die Jahrtausende vorgeschrieben, haben über Krieg und Frieden entschieden, über Staatsformen und Religionssysteme. Selbst die ungezügelten und oft verborgenen Kräfte und Gesetze der belebten wie unbelebten Natur hat der Menschengeist sich dienstbar gemacht. Der Mensch selber unterliegt der gestaltenden geistigen Macht seiner Ideen. Und je tiefer und einheitlicher die Idee ist, desto mehr ist der Mensch seiner eigenen Idee verfallen. Sie trägt ihn über sich selbst hinaus, reißt ihn empor zu den höchsten Höhen, stürzt ihn hinab in die tiefsten Tiefen, macht ihn göttlich, macht ihn teuflisch. Menschen, die von einer großen Idee ganz erfaßt, von einer Idee durchdrungen sind, reißen auch andere Menschen mit fort, ihr Wort zündet, ihnen kann die Masse nicht widerstehen.
Wie verstehen die Kinder der Welt eine Idee aufzugreifen, für eine Idee zu werben, sich für eine Idee einzusetzen! Leben und sterben nicht viele Diesseitsmenschen für die eine Idee, aus der Welt ein irdisches Paradies zu machen? Sie sind sich klar, daß es nicht von heute auf morgen zu erreichen ist, daß noch viele Opfer gebracht werden müssen, bis sie soweit sind. ja, sie sind sich klar, daß sie selbst das goldene Zeitalter gar nicht mehr erleben, aber sie sind bereit, für ihre Idee, wenn es sein muß, zu sterben, damit aus ihrem Opferblut für das kommende Geschlecht eine bessere Saat entspriesse. Könnten wir von den Kindern der Welt nichts lernen? Sie leben und sterben für ihre Idee, für eine Idee, die ihnen und der Welt, ihnen und ihren Erben doch das ersehnte Paradiesesglück, den ersehnten Paradiesesfrieden nicht bringen kann.
Tun wir nur halb soviel, um die Welt zu erobern, haben wir nur die Hälfte des Eifers, den jene entwickeln, um der Welt den Frieden und das Glück zu bringen? Und sind nicht gerade wir es, die der Menschheit das so heiß ersehnte Glück, den so heiß ersehnten Frieden bringen könnten? Ach, wir reden so viel von der Eroberung der Welt, und wir haben so viele in unseren Reihen, die nicht einmal an die Eroberung ihrer eigenen Seele, nicht einmal für sich an die Eroberung des Himmels denken. Und das Himmelreich leidet doch Gewalt (Mt 11, 12). Woher kommt das? Fehlt es uns an Ideen? 0 nein! Wir haben vielleicht zu viele ? zu viele, die so ganz an der Oberfläche liegen. Wir schauen zuviel auf das an der Außenseite unseres Glaubens Liegende und erwarten davon das Heil. Daher auch die Zersplitterung, die uns schwächt. Wir ziehen an zu vielen Seilen. Wir müßten viel tiefer gehen, bis dahin, wo alles an der Außenseite Liegende sich im Mittelpunkt eint. "Nur eines ist notwendig" (Lk 10, 41). Von dieser Idee, die im Mittelpunkt oder Brennpunkt unserer Religion steht, müßten wir ausgehen, von dieser Zentralidee müßten wir alle ganz erfaßt, durchdrungen, durchglüht sein. Wir wären eine Macht, "dräuend gleich einem Heerbann" (HI 6, 4). Keiner könnte uns widerstehen. Wir wären die Herren der Welt. Wir würden das Angesicht der Erde erneuern.
Welches ist nun diese Idee, die alles eint, in der alles zusammenfließt, von der alles ausstrahlt? Das Tiefste und Letzte im Himmel und auf Erden ist die voluntas Dei: der Wille Gottes. Hier ist die Keimzelle von allem, "der Anfang und das Ende" (Offb 1, 8), das Ein und Alles. Quis ut Deus: Wer ist wie Gott? Wer kann sich seinen Ratschlüssen widersetzen? Gottes Wille ist unbeschränkt, unumstösslich, das All beherrschend. Gegen Gottes Willen kommt niemand an. Gott siegt immer, unter allen Umständen. Letzten Endes sind alle, ob sie wollen oder nicht, ob sie es zugeben oder nicht, Vollstrecker seines Willens, alle tragen zur Vollendung seiner Pläne bei.
Da auch unser Leben aus dem Willen Gottes herauswächst und sich nur nach den Ratschlüssen des göttlichen Willens vollzieht, so müßten wir uns ganz bewußt hineinstellen, bewußt an der Aus? und Durchführung des göttlichen Willens mitwirken. Sein Wille, der auf Erden genau so erfüllt werden muß wie im Himmel, müßte einziges Richtmaß für alle und alles sein. Die Durchführung des göttlichen Willens muß unsere große Idee werden, die große, die einzige Idee unseres Lebens. Wenn wir in der tiefsten Wurzel eins sind, dann kann jeder leichter und gefahrloser fürs Ganze seine Sonderwege gehen.
Wie bald würde das Angesicht der Erde erneuert, wenn alle von dieser Zentralidee ganz erfaßt, davon ganz beherrscht wären! Und von einer Idee ist man erst dann ganz erfaßt, wenn man ihr Sklave ist wenn man gar nicht mehr von ihr loskommen kann, wenn man geradezu unter ihr leidet. "Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde, ich muß es verkünden!" (1 Kor 9, 16.) Es läßt mir keine Ruhe, "die Liebe Christi drängt uns" (2 Kor 5, 14). Der heilige Paulus wußte, was es heißt, Apostel fein. Aber es war noch leichter, die "vielerlei Mühsal" (2 Kor 11, 23) auf sich zu nehmen, als diesem inneren Drängen zu widerstehen.
"Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!" (Mt 6, 10.) Dort beherrscht er alles, und hier muß er herrschen. Das ist der Inhalt unseres Gebetes und unseres Lebens. Der Vater Gott muß wieder in den Mittelpunkt unseres ganzen religiösen, sozialen, politischen Lebens gestellt werden. "Ja, Vater!" (Mt 11, 26.) Das war die Seelenhaltung des Heilandes. Sein ganzes Leben war ein einziges Ja, Vater: ein beständiges Im-Willen-des-Vaters-Stehen. Er, "der Erstgeborene unter vielen Brüdern" (Röm 8, 29), hat uns ein Beispiel gegeben, damit auch wir so tun, wie er getan hat (Jo 13, 15). Der Heiland führt uns immer wieder zum Vater. Genau so handelt die heilige Kirche: der Heiland ist Mittler, Führer, Weg zum Vater, er ist Speise auf dem Weg, daß wir zum Vater, zum Ziel, zur Heimat, ins Vaterhaus gelangen.
Das Ja, Vater, die Bejahung des göttlichen Willens, ist auch unser "Heilandsweg". Ohne persönlichen Schaden können wir auch nicht einen Zoll abweichen. Es ist der Weg für alle. Denn alle sind zur höchsten Heiligkeit berufen. Und wenn alle zur höchsten Heiligkeit bestimmt sind, dann muß der Weg dahin auch so leicht und so einfach sein, daß nicht bloß die mit fünf, sondern auch die mit einem Talent und darunter ihn noch verstehen und gehen können. Für alle ist es der Weg, nicht bloß für Priester und Ordensleute, sondern auch für die Leute in der Welt, für alt und jung, ob Mann ob Frau, ob verheiratet oder nicht. Sind nicht manche Methoden und Systeme der Askese, manche Wege und festgelegte Verfahrungsweisen im Vollkommenheitsstreben. viel zu verwickelt und zu schwierig, oft nicht recht zu verstehen und oft nicht zu üben? Ist nicht die ganze Askese, deren innerstes Wesen die Nachfolge Christi ist, für viele nichts anderes als eine Reihe von "unbedingt notwendigen" Übungen? Verbrauchen wir nicht oft mehr als die Hälfte unferer Kraft nur, um das System zu tragen? Der Geist weht, wo er will (Joh 3, 8), und wir haben ihm feste Wege vorgezeichnet, im Panzer Sauls soll er sich gleichsam bewegen (1 Kg 17, 38).
Das "Ja-Vater"-Sagen soll keine sogenannte Übung sein, keine Formel zum Aufsagen und kein kleiner Weg, sondern die große Königsstraße des Kreuztragens und der Nachfolge Christi. Das "Ja,Vater" ift der gelebte göttliche Wille, so wie er gerade für mich in jedem Augenblick zum Ausdruck kommt. Daran ist nichts zu studieren und einzusehen, hier gibt es nur das Eine, seinen Willen dem göttlichen Willen jeden Augenblick unterordnen, zu jedem Augenblick ja sagen. Das ist der Weg für alle. Es gibt keinen, der ihn nicht gehen kann. Aber es wird viele geben, die ihn trotz besserer Einsicht nie gehen werden. Und wenn auch nur ein paar Seelen durch diese Zeilen sich ganz zu Gott finden, dann sind sie nicht umsonst geschrieben. Ein paar Ganze leisten mehr als hundert Halbe. Ein wenig Sauerteig durchsäuert das ganze Mehl (Mt 13, 33). Ein einziger heiliger Paulus rettet eine ganze Schiffsbesatzung von zweihundertfechsundsiebzig Mann vom Untergang (Apg 27, 37).
- Ja, Vater 2 P. Richard Gräf - Epi 23.9.2004 09:28 (7)
- Ja, Vater 3 P. Richard Gräf - Epi 24.9.2004 09:03 (4)
- Ja, Vater 4 P. Richard Gräf - Epi 26.9.2004 14:54 (3)
- Ja, Vater 5 P. Richard Gräf - Epi 03.10.2004 01:00 (2)
- Ja, Vater 6 P. Richard Gräf - Epi 10.10.2004 10:48 (1)
- Ja, Vater 7 P. Richard Gräf - Epi 17.10.2004 14:48 (0)
- Re: Ja, Vater 2 schorsch 23.9.2004 11:49 (1)
- Re: Ja, Vater 2 Epidophekles 23.9.2004 13:10 (0)
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